Archäologie im Land Brandenburg und Berlin

Um der Öffentlichkeit einen Einblick in die aktuelle archäologische Landesforschung und eine Vorstellung der überaus interessanten prä-/historischen Hinterlassenschaften im Land Brandenburg zu geben, bietet das Archäologische Landesmuseum Brandenburg eine Vortragsreihe an, bei der Experten aus Archäologie, Geschichtswissenschaft und verwandten Fachgebieten Neues von ihren Forschungsprojekten berichten.

Termin: jeden ersten Mittwoch im Monat
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Eintritt: frei


EinBaum im Buch

Mi, 6. Dezember 2017 – 18.30 Uhr
Dr. Christof Krauskopf, Archäologe, BLDAM Wünsdorf
unter der Mitwirkung von Dr. Hans Joachim Behnke, Lukas Goldmann, Thorsten Helmerking, Karl Isekeit, Prof. Dr. Elke Kaiser, Sebastian Nößler, Anne Katrin Piele

Der Nachbau des slawenzeitlichen Einbaums aus Ziesar im Archäologischen Landesmuseum hat im Jahr 2016 Aufmerksamkeit erregt. Unter Leitung von Dr. Hans Joachim Behnke vom Archäotechnischen Zentrum Welzow und dem Archäotechniker Thorsten Helmerking verwandelten Studierende der FU Berlin und freiwillige Helfer eine 10 Tonnen schweren Eiche in ein recht schnittiges Boot. Das Anpaddeln durch Birgit Fischer, Janine Schuster und Dr. Johanna Brabandt-Behnke zog bei der Archäotechnica 2016 viele Schaulustige und die Medien an. Nun wird das Projekt in einem reich bebilderten Buch nachzulesen sein, das die Autorinnen und Autoren im Archäologischen Landesmuseum vorstellen.


Das „Königsgrab“ von Seddin in der Prignitz – Monumentalgrab und Ritualort der ausgehenden Bronzezeit

Mi, 7. Februar 2018 – 18.30 Uhr
Jens May, BLDAM

Das „Königsgrab“ von Seddin gilt als die imposanteste und bedeutendste Grabanlage der ausgehenden Bronzezeit in Brandenburg. Zwischen 850 und 800 v. Chr. erfolgte dort die Bestattung eines hochrangigen Herren und zweier Frauen mit nie gekanntem Aufwand in einer Grabkammer aus Steinen. Darüber wurde ein gewaltiger Grabhügel mit einer Höhe von ca. 9 m errichtet. Seit dem Jahr 2000 finden am Königsgrab wieder archäologische Feldforschungen statt. Es konnten überraschende Ergebnisse zum Aufbau des Grabhügels erzielt werden. Knapp nördlich des Königsgrabes gibt eine Reihe aus ca. 150 Gruben mit verbrannten Steinen noch immer Rätsel auf. Neueste Forschungsergebnisse deuten auf eine planvolle und fast gleichzeitige Anlage des "Königsgrabes" und der "Steingrubenreihe" hin. Erstmalig werden die Konturen eines Ritualortes deutlich, die weit über die bisherigen Erwartungen hinausgehen.


Die mesolithischen Bestattungssitten in Europa und das Grab der „Schamanin“ von Bad Dürrenberg

Mi, 7. März 2018 – 18.30 Uhr
Dr. Judith M. Grünberg, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte

Das rot gefärbte Grab, vermutlich einer Schamanin mit einem Säugling in aufrecht sitzender Haltung, ist 1934 im Kurpark von Bad Dürrenberg (Sachsen-Anhalt) ausgegraben worden. Es enthielt ein komplettes Rehgeweih und andere ungewöhnliche Beigaben. Dieser spektakuläre Fund aus der Mittleren Steinzeit beschäftigt bis auf den heutigen Tag die archäologische Fachwelt. Der Vortrag von Dr. Judith M. Grünberg wird die neuen Forschungsergebnisse zu dieser herausragenden Bestattung vorstellen und darüber hinaus einen Überblick über die vielfältigen Bestattungssitten der letzten Wildbeutergesellschaften in Europa geben.


"Vor theuerung und hungersnoth behüt uns …“ – Eine anthropologische Rekonstruktion der Ernährung in der Mark Brandenburg vom Mittelalter bis in die Neuzeit

Mi, 4. April 2018 – 18.30 Uhr
Dr. Bettina Jungklaus

Die Nahrungsaufnahme ist ein tägliches Grundbedürfnis des Menschen. Vom Hochmittelalter bis in die Neuzeit war die Alltagskost diversen Wandlungen unterworfen, geprägt von Hunger und Mangel, aber auch von Überfluss. Anhand aktueller anthropologischer Ergebnisse rekonstruiert Dr. Bettina Jungklaus die Ernährung der Bewohner der Mark Brandenburg während der vergangenen 1000 Jahre. Sie erläutert in Ihrem Vortrag erstaunliche Unterschiede zwischen den Zeiten, den sozialen Schichten und auch in Stadt und Land.


Wie im Himmel, so unter Wasser – Bronze- und eisenzeitliche Rasseln der Lausitzer Kultur in Brandenburg

Mi, 2. Mai 2018 – 18.30 Uhr
Katharina Schmeiduch

Die Rasseln der Bronze- und frühen Eisenzeit stellen ein seltenes, wenn auch typisches Merkmal der Lausitzer Kultur dar. In wenigen Bestattungen dieser Kultur finden sich auf beiden Seiten der Oder kleine Objekte in denen es klappert: Tonrasseln. Bei diesen handelt es sich nicht nur um einige der frühesten Geräuschinstrumente der Prähistorie Mitteleuropas, sondern, da ein Teil der Rasseln vogelförmig ist, auch um einige der wenigen figürlichen Darstellungen dieser Zeit. Die Archäologin Katharina Schmeiduch bietet in ihrem Vortrag einen Überblick zu ihren Studien der prähistorischen Rasselfunde aus dem östlichen Deutschland und dem benachbarten Polen. Dieser Vortrag gehört überdies zum Begleitprogramm der aktuellen Sonderausstellung „Archaeomusica“, die im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg gezeigt wird.


Intensiv besiedelt – Spuren menschlicher Besiedlung vom Neolithikum bis zur Älteren Kaiserzeit aus Berlin-Hohenschönhausen

Mi, 6. Juni 2018 – 18.30 Uhr
René Bräunig

Im Bereich eines geplanten Bauvorhabens in Berlin-Hohenschönhausen erbrachten eine Prospektion und die darauf folgende Rettungsgrabung Belege für die Besiedlung des Areals durch Gruppen der endneolithischen Kugelamphorenkultur sowie durch jungbronzezeitliche und älterkaiserzeitliche, elbgermanische Gruppen. Die recht aufwändigen Untersuchungsmethoden führten zur Bergung von über 22000 Artefakten, darunter ein Steinbeil und ein Keulenfragment aus dem Endneolithikum sowie Keramik aus der Jungbronzezeit und der Älteren Kaiserzeit. Es lässt sich zudem eine bronzezeitliche Silexgewinnung vor Ort vermuten. René Bräunig fasst in seinem Vortrag die Ergebnisse der Grabungskampagne zusammen und zeichnet das Bild eines dynamischen, mehrere Epochen umfassenden Siedlungsbildes.


Der Burgwall von Lebus und die Eliten der Bronzezeit

Mi, 4. Juli 2018 – 18.30 Uhr
Prof. Dr. Franz Schopper, BLDAM

Der Burgberg von Lebus zeichnet sich durch seine hervorragende verkehrsgeographische Lage direkt an der Oder ebenso aus, wie durch seine steilen Hänge, die auf allen vier Seiten das Bergplateau begrenzen. Ausgehend von diesem Berg hat der heutige kleine Ort Lebus nicht nur einer polnischen Woiwodschaft den Namen gegeben, sondern steht auch für das Bistum Lebus, dessen Kathedrale zeitweise auf dem Burgberg stand. Schon etwa zwei Jahrtausende früher, in der späten Bronzezeit, war der Berg bewohnt und befestigt. Herausragende Bronzefunde zeugen von der Bedeutung dieser Siedlung und ihrer Einbindung in den paneuropäischen Handel. Prestigegüter, insbesondere Pferdegeschirr, weisen auf die Eliten der Bronzezeit, die auch andernorts in Brandenburg fassbar werden. Was wissen wir zur Sozialstruktur der Bronzezeit in Brandenburg und wie können wir sie fassen? Diese und andere Forschungsfragen greift der Landesarchäologe und Direktor des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums in seinem Vortrag auf.


Gewalt in der Bronzezeit – neue Erkenntnisse zu Waffen und Kampf

Mi, 1. August 2018 – 18.30 Uhr
Philipp Roskoschinski

Mangels schriftlicher Überlieferungen spielte das Thema Gewalt und Krieg für die Bronzezeit in der archäologischen Rezeption lange Zeit eine eher untergeordnete Rolle. Spätestens mit den neuen Forschungen zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung im bronzezeitlichen Tollensetal hat sich diese Sichtweise verändert. Der Archäologe Philipp Roskoschinski erläutert in seinem Vortrag bronzezeitliche Waffen und deren Gebrauch sowie weitere Spuren von Gewalt und Unruhen aus dieser Zeit - wie etwa die Brandhorizonte an den Burgwällen der ausgehenden Lausitzer Kultur.


Zur Archäologie des Nationalsozialismus – Eine aufsehenerregende Identifikation in den Beständen der Landesarchäologie Brandenburg

Mi, 5. September 2018 – 18.30 Uhr
Prof. Dr. Christoph Frank, Università della Svizzera italiana an der Accademia di architettura

Nach der Sicherstellungen von Fundgut bei einem Raubgräber befindet sich seit Anfang der 1990er Jahre eine stark beschädigte Plastik des französischen Künstlers Falconet im Besitz des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege. Diese Skulptur war während des Zweiten Weltkrieges geraubt und nach Carinhall, dem in der Schorfheide erbauten Anwesen Hermann Görings, verschleppt worden. Ursprünglich stammt diese Plastik aus der Sammlung Rothschild und gilt als Teil des nationalen Kulturerbes Frankreichs. Dem Kunsthistoriker Prof. Dr. Christoph Frank ist es zu verdanken, dass dieses Kunststück in seiner Bedeutung erkannt und seine Herkunft geklärt wurde. Im Rahmen seines Vortrags stellt Prof. Dr. Frank die Plastik und Aspekte seiner bewegten Geschichte vor.


Die germanische Siedlung Wustermark 23 im Landkreis Havelland

Mi, 10. Oktober 2018 – 18.30 Uhr
Paul Fischer-Schröter

Im Zuge der Errichtung des GVZ Wustermark wurden in den Jahren 1998/1999 und 2004 vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege Ausgrabungen auf einem 3,2 ha großen Areal in der Gemarkung Wustermark durchgeführt. Im Zuge eines Promotionsprojektes sind diese Untersuchungen vollständig ausgewertet und in einen größeren Kontext eingehängt worden. Mit der Auswertung des Fundplatzes Wustermark 23 liegt mittlerweile die dritte umfangreich gegrabene Siedlung der Kaiser- und Völkerwanderungszeit im Land Brandenburg vor, sodass Aussagen hinsichtlich der Bauweise von Gebäuden und der Siedlungsstruktur getroffen werden können. Der Vortrag wird Einblicke in ausgewählte Bereiche der Siedlung Wustermark 23 geben und auf die archäologischen Untersuchungen vor Ort eingehen.


2500 Jahre Stahl in Brandenburg – Forschungen zu den Anfängen der Eisenverhüttung und -verarbeitung

Mi, 7. November 2018 – 18.30 Uhr
Dr. Markolf Brumlich, FU, Institut für Prähistorische Archäologie

In den vergangenen zehn Jahren waren die Anfänge der bodenständigen Eisenproduktion im Land Brandenburg Gegenstand einer intensiven Forschungsarbeit. Mittels gezielter Prospektionen und Ausgrabungen auf Siedlungsplätzen der vorrömischen Eisenzeit konnten umfassende Erkenntnisse zur Datierung, Kapazität und Technologie der regionalen Eisenverhüttung gewonnen werden. Die archäologischen Untersuchungen wurden nicht nur durch metallurgische Analysen, sondern auch durch eine Reihe von Rennofenversuchen ergänzt, in denen die alte Technologie anschaulich zu neuem Leben erweckt wurde. Dr. Markolf Brumlich forscht seit vielen Jahren zur prähistorischen Eisenverhüttung. Im Rahmen seines Vortrags stellt er die Ergebnisse umfassender Untersuchungen und Studien vor.


Friesack, Stolpe, Vierraden – Die brandenburgischen Hohenzollern und die Burgen ihrer „Feinde“

Mi, 5. Dezember 2018 – 18.30 Uhr
Dr. Christof Krauskopf, BLDAM

Die Hohenzollern übernahmen Anfang des 15. Jahrhunderts zunächst die Verweserschaft, dann die Kurwürde in der Mark Brandenburg. Nach den politischen Wirren des 14. Jahrhunderts trafen sie auf verschiedene Schwierigkeiten, die ihre Herrschaftsübernahme nicht gerade vereinfachten. Ein Aspekt war die Sicherung des Kurfürstentums gegen innere und äußere Gegner, wie etwa die Adelsopposition um die Quitzows oder die Konflikte mit den Herzögen von Pommern um Lehnsrechte, Territorium und feste Plätze. Diese Konflikte manifestieren sich in den erhaltenen Burganlagen Brandenburgs und der Nachbarregionen und können sehr gut an den Bauten und Burgplätzen aufgezeigt werden.