Archäologie im Land Brandenburg

Um der Öffentlichkeit einen Einblick in die aktuelle archäologische Landesforschung und eine Vorstellung der überaus interessanten prä-/historischen Hinterlassenschaften im Land Brandenburg zu geben, bietet das Archäologische Landesmuseum Brandenburg eine Vortragsreihe an, bei der Experten aus Archäologie, Geschichtswissenschaft und verwandten Fachgebieten Neues von ihren Forschungsprojekten berichten.

Termin: jeden ersten Mittwoch im Monat
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Eintritt: frei


Archäologische Grabung am ehemaligen Mauerstreifen in Berlin-Mitte

Mi, 2. August 2017 – 18.30 Uhr
Torsten Dressler, Archäologe

Der geplante Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses auf dem letzten unbebauten Grundstück im Bereich des Nordbahnhofs/ ehem. Grenzstreifen der Berliner Mauer ermöglichte aktuell eine archäologische Flächengrabung zur Ortung und Dokumentation von Resten der einstigen Grenzanlage. Östlich der Gartenstr. befindet sich auf dem ehem. Grenzstreifen/ Berliner Mauer das Gelände der Außenausstellung der Gedenkstätte Berliner Mauer, deren Ausbau bereits im Zeitraum von 2007-2011 archäologisch begleitet wurde. An der Ostseite des Baugrundstücks befanden sich weitere Gebäude (Wohnhaus, Bahnhofs-/Lagergebäude) bis ca. 1965 bzw. 1973/74, die von den DDR-Grenztruppen zweckentfremdet genutzt und anschließend abgerissen wurden. Unterhalb des Baugrundstücks befindet sich der S-Bhf. Nordbahnhof. Die oberirdischen Zugangsgebäude befanden sich zu Mauerzeiten (1961-1989) im Sperrgebiet und waren bis 1989/90 zugemauert. Westlich der Gartenstr. erstreckte sich der Grenzstreifen/ Berliner Mauer mit den typischen Grenzanlagen. Das Gelände wurde einst zur Begradigung des Grenzverlaufs wesentlich aufgeschüttet, jedoch nach dem Mauerfall ab 1990 weitgehend abgetragen. Der Vortrag gibt einen Einblick in die Ausgrabung an diesem geschichtsträchtigen Ort. Durch die Untersuchungen konnte die Grenzanlage dokumentiert und deren Verlauf und Entwicklung veranschaulicht werden.


Bierbrauen in Brandenburg

Mi, 6. September 2017 – 18.30 Uhr
Dr. Joachim Müller, Archäologe, Stadt Brandenburg, Untere Denkmalschutzbehörde

Die Doppelstadt Brandenburg besaß im Mittelalter und in der frühen Neuzeit ein hoch entwickeltes Brauwesen, das einen wichtigen Teil des städtischen Erwerbslebens darstellte. Bierbrauen wurde im Nebenerwerb von einer großen Zahl brauberechtigter Bürger ausgeübt. Die am Grundstück haftenden Braugerechtigkeiten werden 1334 erstmals erwähnt, bestanden zu diesem Zeitpunkt aber bereits seit längerer Zeit. Bei archäologischen Grabungen lassen sich in Brandenburg erstaunlich wenige eindeutige Belege für das mittelalterliche Brauhandwerk finden. Die zum Bierbrauen notwendigen Einrichtungen wie Diele/Brauhaus, Keller, Brunnen oder großflächige Feuerungseinrichtungen konnten auch für andere Handwerke und Zwecke der Haushaltsführung genutzt werden. Der Vortrag gibt einen Überblick über die Geschichte des Brauereiwesens in Brandenburg an der Havel und gibt zahlreiche Beispiele für Braugrundstücke und ihre Einrichtungen wie Keller oder erhaltene Brauhäuser des 17. und 18. Jhs.


Salzherren im Oderbruch

Mi, 4. Oktober 2017 – 18.30 Uhr
Blandine Wittkopp, Archäologin, Berlin

Fernab der reichen, eisenzeitlichen Salzzentren Mitteleuropas gelang im Sommer 2016 im Oderbruch ein Neufund von großer Bedeutung. Der landesgeschichtlich herausragende Fundplatz wurde im Rahmen des Ausbaus der L33 in der Ortslage von Eichwerder bei Wriezen entdeckt. In der späten Bronze- und vor allem in der frühen Eisenzeit befand sich dort ein beachtliches Handwerkszentrum, das offensichtlich auch eine Produktionsstätte von Salz umfasste. Da Salz in dieser Zeit noch ein sehr kostbares Handelsgut war, hat der Ort wirtschaftlich vermutlich auch weiträumiger eine besondere Rolle. Der in der frühen Eisenzeit befestigte, auf einer Talsandinsel an der Alten Oder gelegene Siedlungsplatz lieferte zahlreiche Öfen verschiedener Bauweisen, von denen einer als Salzsiede gedient hat. In dem über einen Meter großen Ofen erhitzte man wahrscheinlich Solewasser oder Solepflanzen. Er zeigte bei der Ausgrabung auf dem äußeren, aus Lehm gebauten Ofenrand extrem starke weißliche Salzausblühungen. Starke Salzrasen ließen sich auch an der Oberfläche mehrerer schwarz verfüllter Gruben beobachten. Die meist darunter gefundenen Fischknochen lassen vermuteten, dass die Bewohner das Salz vor allem zur Konservierung von Fisch verwendeten. Bislang unerforscht ist noch die Herkunft des Salzes, das aber in der näheren Umgebung des Ortes vermutet werden kann.


Textil- und Flechtpflanzen im Wandel der Zeit

Mi, 1. November 2017 – 18.30 Uhr
Dr. Sabine Karg, FU Berlin, Institut für Prähistorische Archäologie

Pflanzliche Rohstoffe spielten seit ewigen Zeiten eine wichtige Rolle für den Menschen. Zum einen als tägliches Nahrungsmittel und für die Herstellung von Medizin. Aber auch als Baumaterial, Energieträger und Schmuck, als Färbemittel und für die Herstellung von allerlei Transportmittel, Tragegestellen, Fischernetzen und Kleidungsstücken. In meinem Vortrag möchte ich die Methoden erklären, die in der Archäologie angewendet werden, um die jeweiligen Naturmaterialien zu bestimmen. Neben der Präsentation von zahlreichen wichtigen europäischen Funden aus der Steinzeit und der Bronzezeit werden auch die Aufbereitungsmethoden zur Fasergewinnung und die hierfür benötigten Gerätschaften besprochen. Aus welchem Material ist das mittelsteinzeitliche Tragenetz aus der Fundstelle Friesack in Brandenburg hergestellt und mit welcher Technik? Welche Kleidung trug die berühmte Gletschermumie „Ötzi“? Seit wann wird die Kulturpflanze Lein in Deutschland angebaut und ab welcher Zeitepoche wurden aus dieser blaublühenden Wunderblume Textilien hergestellt? Woher stammt der Hanf, aus dessen Fasern heute noch reißfeste Seile produziert werden, ursprünglich her? Und wann eroberte die Baumwolle unseren Markt? Der Vortrag wird mit vielen Lichtbildern reich illustriert werden.


EinBaum im Buch

Mi, 6. Dezember 2017 – 18.30 Uhr
Dr. Christof Krauskopf, Archäologe, BLDAM Wünsdorf

Der Nachbau des slawenzeitlichen Einbaums aus Ziesar im Archäologischen Landesmuseum hat im Jahr 2016 Aufmerksamkeit erregt. Unter Leitung von Dr. Hans Joachim Behnke vom Archäotechnischen Zentrum Welzow und dem Archäotechniker Thorsten Helmerking verwandelten Studierende der FU Berlin und freiwillige Helfer eine 10 Tonnen schweren Eiche in ein recht schnittiges Boot. Das Anpaddeln durch Birgit Fischer, Janine Schuster und Dr. Johanna Brabandt-Behnke zog bei der Archäotechnica 2016 viele Schaulustige und die Medien an. Nun wird das Projekt in einem reich bebilderten Buch nachzulesen sein, das die Autorinnen und Autoren im Archäologischen Landesmuseum vorstellen.