Archäologie im Land Brandenburg

Um der Öffentlichkeit einen Einblick in die aktuelle archäologische Landesforschung und eine Vorstellung der überaus interessanten prä-/historischen Hinterlassenschaften im Land Brandenburg zu geben, bietet das Archäologische Landesmuseum Brandenburg eine Vortragsreihe an, bei der Experten aus Archäologie, Geschichtswissenschaft und verwandten Fachgebieten Neues von ihren Forschungsprojekten berichten.

Termin: jeden ersten Mittwoch im Monat
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Eintritt: frei


Flüchtlinge im Gefangenenlager? Die Moscheegrabung von Wünsdorf

Mi, 5. April 2017 – 18.30 Uhr
Dr. Thomas Kersting

Das Erstaunen war groß, als sich herausstellte, dass das Areal der Moschee im Kriegsgefangenenlager des 1. Weltkriegs am Militärstandort Zossen auf dem das BLDAM und die FU Berlin ein Lehr- und Forschungsgrabung durchführten, derselbe Ort ist, an dem das Land Brandenburg ein Erstaufnahmelager für Asylsuchende plante. Bei den Ausgrabungen wurden Reste der Leichtbau-Holzkonstruktion der Moschee identifiziert und lokalisiert. Die meisten Funde stammen aus der Lagerzeit 1915-18, relativ wenige dagegen aus der NS- und wieder deutlich mehr aus der Sowjetzeit. Sie belegen eine dreifache Geschichte dieses Militär-Ortes, von dem aus der Dschihad im Namen des Kaiserreiches beginnen sollte: hierfür hatte man eigens die gefangenen Truppen islamischen Glaubens der gegnerischen Kolonialreiche konzentriert, um sie gegen ihre „Herren“ und für Deutschland zu instrumentalisieren, und ihnen aus Propaganda-Gründen eine Moschee hingestellt. Dass nun – in der vierten Phase seiner Geschichte – am selben Ort diejenigen, die vor der heutigen Ausprägung des Dschihad fliehen, vorübergehend angesiedelt werden, birgt einen welthistorischen Zirkelschluss, dessen Bedeutung noch nicht abzusehen ist.


Tod im Zweikampf – Deutung eines Grabbefundes an der Petrikirche in Berlin

Mi, 3. Mai 2017 – 18.30 Uhr
Dr. Uwe Michas

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Ausgrabungen das Wissen über die Frühgeschichte der Doppelstadt Berlin-Cölln erheblich erweitert. Dabei kommt der Ausgrabung in den Jahren 2007-2009 an der ehemaligen Petrikirche, dem Zentrum der mittelalterlichen Stadt Cölln, eine besondere Bedeutung zu. Seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhundert bis in das Jahr 1717 wurden im Umfeld dieser Kirche die Verstorbenen der Stadt beigesetzt. Neben Resten der Kirche und den Fundamenten der benachbarten Lateinschule wurden insgesamt 3126 Gräber ausgegraben, darunter eine Dreifachbestattung, die sich unmittelbar am südlichen Chor fand. In einer großen Grabgrube wurden drei Individuen ausgegraben, die eng zusammen in aufrecht hockender Stellung bestattet worden waren. Nicht nur die Bestattungsweise, auch die Umstände die zum Tod dieser drei Männer geführt haben, weist ihnen einen besonderen Status unter den Bestattungen an der Petrikirche zu. Die schweren Verletzungen, die zum Tod der drei Männer führten, sind auf Waffeneinwirkung zurückzuführen. Die Vermutungen gingen zunächst von im Kampf gefallenen Kriegern aus. Doch die genaue Analyse der Ursachen der Verletzungen weist in eine andere Richtung und führt zu einem Beispiel früher Rechtsgeschichte in der Mark Brandenburg.


Leben und Tod in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges

Mi, 7. Juni 2017 – 18.30 Uhr
Dr. Bettina Jungklaus

Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) war eine der dunkelsten Zeiten in der deutschen Geschichte. Soldatenheere zogen durch die Mark Brandenburg, Seuchen und Hunger rafften die Bewohner dahin. Vielfach wurden keine regulären Begräbnisse mehr angelegt, davon zeugen zahlreiche Sonderbestattungen und Massengräber. Die Ergebnisse anthropologischer Untersuchungen ermöglichen vertiefte Einblicke in das Leben und Leiden der Menschen, dabei der Soldaten wie auch der Zivilisten. Die Anthropologin Dr. Bettina Jungklaus (Berlin) beschäftigt sich seit Jahren mit dieser schwierigen Zeit und stellt im Vortrag ihre Forschungen zu den Lebensbedingungen im 17. Jahrhundert vor.