Ein Beispiel der Neuen Sachlichkeit

Tasse, Porzellan, 1890-1920, Bauhaus/Deutscher Werkbund

Straußberg, Lkr. Märkisches-Oderland,
Leihgabe Klaus Stieger, Müncheberg
Foto: Michael Schneider, BLDAM

Dieses Objekt stammt aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Es ist eine Kaffee-HAG-Tasse, gefunden auf einer Mülldeponie bei Strausberg. In der Tasse spiegeln sich zwei Aspekte wider.
Zum einen ist sie Ausdruck von Ornamentlosigkeit und Schlichtheit, wie sie zuvor noch nicht bekannt war. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es Tendenzen zu einem neuen sachlichen Stil. Dieser neue sachliche Stil in Architektur und Design ist das Ergebnis des 1907 in München gegründeten Deutschen Werkbundes, einem Zusammenschluss von Künstlern, Handwerkern, Architekten und Unternehmern. Ihr gehörten u.a. bekannte Persönlichkeiten wie Henry van de Velde, Bruno Taut, Peter Behrens oder Walter Gropius sowie Ludwig Mies van der Rohe an.
Ziel war es, durch eine optimale Gestaltung den deutschen Industrieprodukten einen hervorragenden Platz auf dem weltweiten Absatzmarkt zu verschaffen. Durch die Verbindungen zwischen Kunst, Industrie und Handwerk konnten somit nicht nur Impulse für Formgebung und Baukultur, sondern auch für weiterführende Prozesse innerhalb der Gesellschaft gegeben werden.
Der zweite Aspekt, der sich in der Tasse zeigt, steht für die Erfolgsgeschichte des Bremer Bürgers Ludwig Roselius, welcher 1906 mit anderen Bremer Großhändlern die Kaffee-Handels-Aktien-Gesellschaft (Kaffee-HAG). gründete. Als weltweit erstes Unternehmen stellten sie koffeinfreien Kaffee her.
Ab 1908 entstanden dann die unverwechselbaren Werbemotive der Marke. Mit Hilfe des Designers, Architekten und Werbegraphikers Wilhelm Christoph Eduard Scotland wurde in den ersten Jahren ein modernes Corporate Design entwickelt. Somit gehörte Kaffee HAG, neben der AEG mit Peter Behrens, zu den ersten Unternehmen mit einem einheitlichen und grafisch geschmackvollen, imagepflegenden, werblichen Auftritt. Das von ihm entwickelte Logo des roten Rettungsringes sollte die Rettung vor gesundheitlichen Schäden symbolisieren. Eine eigens entworfene Schrift unterstützte zusätzlich die Werbung.
Die Tasse ist übrigens das Lieblingsexponat unseres Mitarbeiters Michael Schneider.


Älteste Keramik aus Jüterbog

Foto: BLDAM, Fritz Fabert

In der Jungsteinzeit gingen die Menschen allmählich vom Jagen und Sammeln zur Sesshaftigkeit mit Ackerbau und Viehzucht über. In Brandenburg lebten um etwa 5300 v.Chr. die ersten Ackerbauern. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Keramikfunde im Land Brandenburg. Sie lassen sich auf etwa 5200 v.Chr. datieren.
Die Menschen verzierten ihre Keramik mit Linienbändern, was der ersten bäuerlichen Kultur Brandenburgs auch den Namen gab. Das rundbodige und henkellose Gefäß, als Kumpf bezeichnet, aus Jüterbog im Lkr. Teltow-Fläming, spiegelt diese Zeit der ersten sesshaften Ansiedlungen wider.


Schädel mit Charonspfennig

Foto: Fritz Fabert, BLDAM
Schädel mit Charonspfennig, Knochen und Kupfer, Fahrland, Stadt Potsdam

Je nach Bestattungsform bleibt von slawischen Gräbern wenig bis nichts übrig, was „dinglichen“ Charakter hat. In der frühen Slawenzeit findet man in Brandgräbern bestenfalls eine Urne mit Leichenbrand und verbrannten Resten persönlicher Dinge, wie Schmuck und Messer. Ab dem 10. Jahrhundert werden zunehmend Körpergräber angelegt. Auch sie enthalten neben den Skeletten keine anderen Beigaben, nur besser erhaltene, da sie unverbrannt sind. Gefäße sind nun als Behälter einer Speise- oder Trankbeigabe zu deuten – teils für die Bestattung hergestellt, teils dem Alltag entstammend. Schläfenringe Perlen und Messer gelangen mit den Toten und ihrer Kleidung ins Grab. Münzen finden sich mitunter im oder auf dem Mund. Diese Beigabe hat sich – als ursprünglich heidnische Sitte – von der Antike über Byzanz (heute: Istanbul) und Großmähren oder über den Ostseeraum und den fränkischen Westen zu den Westslawen hin verbreitet.
Die Sitte, den Verstorbenen einen Obolus für den Weg in das Reich der Toten mitzugeben, gründet im griechischen Volksglauben. Demnach ist Charon der Fährmann, der die Toten gegen Entrichtung eines Wegegeldes über den Totenfluss Acheron (weitere Flüsse wie Lethe und auch Styx werden oft genannt) an das Tor des Hades (Gott der Unterwelt) geleitet.


Bunte Glasfingerringe

 

Bunte Glasfingerringe
Foto: Detlef Sommer, BLDAM

Zahlreiche Funde, in langjährigen Grabungen auf der Dominsel Brandenburg geborgen, belegen Handwerk und Gewerbe, Handel und Austausch sowie gehobene Lebensart und Kultstätten. Diese Schmuck-Spielart war offensichtlich eine Spezialität der brandenburgischen Handwerker. Sie beherrschten vermutlich auch die Produktion der Glasrohmasse, mussten also kein Glas importieren und konnten ihrerseits die fertigen Ringe exportieren.
Die hier gezeigten farbenfrohen Fingerringe aus der Slawenzeit, gefertigt von einem gut spezialisierten Handwerker, stammen aus der Stadt Brandenburg an der Havel und aus Lenzen, im Lkr. Prignitz.

 

 

Kultwagen aus Potsdam-Eiche

Kultwagen – Bronze

Eiche, Stadt Potsdam
Foto: BLDAM, Detlef Sommer

Macht und Ansehen der Eliten auf der Erde und zugleich im Angesicht höherer Mächte – dies symbolisieren die reich ausgestatteten Gräber und weithin sichtbaren Grabanlagen. Gerade aus der Bronzezeit sind uns vielfältige Gegenstände mit religiöser Symbolik überliefert. Im Mittelpunkt stehen häufig Sonne und Wasser. Davon zeugen für das Gebiet der Lausitzer Kultur in Brandenburg und Schlesiensieben Deichselwagen-Miniaturen. Obgleich ganz unterschiedlich in der Ausführung, haben alle eines gemeinsam. Ihre Räder sind beweglich. Auf den Tüllen sitzen jeweils Wasservögel. Die Tüllen gabeln sich und die Gabelspitzen laufen in gehörnten Plastiken aus. Die vierspeichigen Räder symbolisieren die Sonne, die Vögel vermutlich das Wasser. Man hat den Wagen in seine Einzelteile zerlegt und in ein Gefäß deponiert. So überdauerte er die Zeiten.
Die meisten Wagen fanden sich im Bereich von Gräberfeldern, daher ist anzunehmen, dass sie während der Bestattungen als Kultgeräte dienten. In die Tülle ließ sich vielleicht ein Stab stecken und damit der Wagen über den Boden rollen oder als Standarte tragen. Die rollende Fortbewegung des Rades und das gemächliche Dahinschwimmen an der Wasseroberfläche gehen eine Verbindung ein…


Der Widder von Lossow

Foto: BLDAM, Fritz Fabert

Der Burgwall von Lossow - in der Nähe von Frankfurt Oder- gilt als eines der bedeutendsten bronze-/früheisenzeitlichen Bodendenkmale der Region. Als befestigte Siedlung am Ende der mittleren Bronzezeit angelegt, wurde man insbesondere durch die Befunde seiner früheisenzeitlichen Nachnutzung aufmerksam.
Diese zeigen sich durch bisher 63 lokalisierte und teilweise untersuchte Schachtanlagen, die bis zu 7 m tief sind und zum Ende des 9. Jh. v. Chr. angelegt wurden. Die Schächte bargen zerstückelte menschliche und tierische Skelett(-reste) und wurden bislang als Hinweis auf Opferungen interpretiert.
Im Zusammenhang mit dieser kultischen Nutzung des Platzes wurde bei den Ausgrabungen des Platzes im Jahre 2008 eine kleine bronzene Widderfigur gefunden, die nicht nur die besondere Stellung und Bedeutung des Fundplatzes Lossow unterstreicht, sondern auch seinen beträchtlichen Bekanntheitsgrad und seine weitreichenden Kontakte in der frühen Eisenzeit aufzeigt. Sowohl zeitlich als auch räumlich ist die kleine Tierfigur ein außergewöhnliches Unikat nicht nur in der Region, sondern auch nördlich der Alpen. Uneingeschränkt zeugt sie von hoher künstlerischer Qualität und stellt ein kleines Meisterstück dar. Eine indirekte Datierung des Widders über Holzkohle belegt eine Zeitstellung in das 8. Jh. v. Chr.
Stilistische Vergleiche weisen in den griechischen Kulturraum, wo vergleichbare bronzene Tierstatuetten aus Tempelanlagen und Heiligtümern geometrischer Zeit (ca. 900-700 v. Chr.) bekannt sind. Beste Parallelen zeigen Funde aus Kultstätten des griechischen Festlandes, insbesondere aus Olympia.


Bartmannskrug

Bartmannskrug Keramik, Stadt Potsdam
Foto: Detlef Sommer, BLDAM

Bei den Ausgrabungen auf dem Areal um den Alten Markt in Potsdam im Jahre 2008, stießen Archäologen auf drei Bartmanns- bzw. Gesichtskrüge aus dem 14./15. Jahrhundert. Es sind sehr aufwendig herzustellende Keramiken. Ihrer hohen Wertschätzung als Schankgefäß entspricht die weite Verbreitung in Mitteleuropa. Charakteristisch sind die auf dem Hals befindlichen frei modellierten Gesichter mit aufliegenden Pupillen. Diese Krüge stammen vermutlich aus den Waldenburger Töpfereien in der Nähe des heutigen Chemnitz. Bei der Deutung dieser Krüge gibt es unterschiedliche Interpretationen. Zum einen könnten die bärtigen Gesichter Gott darstellen, oder als eine Art Apotropaion dienen, ein magischer Gegenstand zum Schutz gegen böse Kräfte.
Sie könnten aber auch einfach nur einen dekorativen Charakter haben.