Sonderpräsentation eines spektakulären archäologischen Fundes: Radkreuz aus dem 10. oder 11. Jahrhundert
24. Januar 2026 bis 15. April 2026
Kulturministerin Dr. Manja Schüle hat am 23. Januar in Potsdam gemeinsam mit Prof. Dr. Franz Schopper, Landesarchäologe und Direktor des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM), Prof. Dr. Matthias Wemhoff, Landesarchäologe und Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin, Lukas Goldmann, wissenschaftlicher Referent für das slawische Mittelalter beim BLDAM, sowie der Finderin und ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow einen außergewöhnlichen Bronzefund aus dem Havelland präsentiert.
Das Radkreuz aus dem 10. oder 11. Jahrhundert wurde von der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow im Rahmen genehmigter Detektorbegehungen auf einem Fundplatz im westlichen Havelland entdeckt.
Neben dem Kreuz gab es auch weitere Funde aus dem 10./11. Jahrhundert, darunter Münzen, teils vergoldete Schmuckfragmente sowie eiserne Waffen.
Das Besondere an dem Fund: Das Bronze-Kreuz wurde in einer Form gegossen, die bereits vor mehr als 40 Jahren in Spandau zutage kam und als »Spandauer Kreuz« bekannt ist. Die 1983 bei Ausgrabungen auf dem slawischen Burgwall in Berlin-Spandau gefundene Gussform eines kleinen Radkreuzes gilt als einer der ältesten Nachweise der frühen Christianisierung zwischen Elbe und Oder.
Sie wurde neben den Überresten einer frühen Holzkirche gefunden. Nach der Restaurierung und genauen Vermessung des im Havelland entdeckten Kreuzes am BLDAM sowie nach dem Abgleich mit der im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin ausgestellten Gussform konnte nachgewiesen werden, dass Kreuz und Gussform zusammengehören. Ein Abguss der Form wurde bislang weder in Spandau noch anderswo gefunden – der jetzige Fund eines dazu passenden Gussstücks ist somit einzigartig. Gussform und Kreuz sind Zeugen der frühen Christianisierung, eine der spannendsten Abschnitte der Landesgeschichte. Im frühen 10. Jahrhundert geriet die in dieser Zeit von nichtchristlichen slawischen Stämmen bewohnte Region des heutigen Berlins und Brandenburgs durch Eroberungsfeldzüge in den Einflussbereich des ostfränkischen Reiches, des Vorläufers des späteren Römisch-Deutschen Reiches.
Die neuen Eliten brachten neben einer politischen Neuorganisation auch einen neuen Glauben mit. Zeugnisse dieser ersten Christianisierung sind jedoch vorwiegend in historischen Schriftquellen überliefert, da die slawischen Stämme die neue Religion mehrheitlich offenbar zutiefst ablehnten. Im Jahre 983 erhoben sie sich im sogenannten Lutizenaufstand gegen die ostfränkische Oberhoheit und erkämpften sich für etwa 150 Jahre ihre politische und religio?se Unabhängigkeit. Eine nachhaltige Christianisierung erfolgte erst im 12. und im 13. Jahrhundert, nachdem die Region endgültig als Mark Brandenburg Teil des Römisch-Deutschen Reiches geworden war.
Die Finderin des Bronze-Kreuzes gehört zu den rund 350 ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerinnen und -pflegern des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM). Sie leisten einen wichtigen Beitrag für die Erfassung, Erhaltung und Vermittlung des archäologischen Erbes. Alle offiziell benannten ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerinnen und -pfleger sind Absolventen eines Lehrgangs, den das BLDAM in enger Zusammenarbeit mit der Archäologischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg e.V. organisiert.
Seit 2022 gibt es einen Mitarbeiter beim BLDAM, der sie unterstützt und berät. Die Gussform und das Radkreuz sind vom 24. Januar bis zum 15. April 2026 im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg zu sehen.
Eintritt 5 € | erm. 3,50 € | Familien 10 € | Kinder unter 10 Jahren frei
22.02.2026
Ein passgenauer Neufund – Gussform und Abguss eines bronzenen Radkreuzes aus dem Slawischen Mittelalter
22. Februar 2026, 14.00 Uhr
Lukas Goldmann M.A., BLDAM
Vor etwa 40 Jahren barg man bei archäologischen Ausgrabungen am slawischen Burgwall in Spandau eine Gussform. Mit ihr konnte ein Ring mit einer darin befindlichen Figur, welche als der gekreuzigte Jesus interpretiert wird, hergestellt werden.
Dieses so genannte Spandauer Kreuz gilt als früheste dem Christentum zugerechnete Darstellung in unserer Region. Es wird in das 10. oder 11. nachchristliche Jahrhundert datiert.
Vor Kurzem machte die ehrenamtliche Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow im Havelland einen überraschenden Fund: Sie barg einen bronzenen Abguss eben jenes Spandauer Kreuzes.
Der Neufund konnte problemlos in die Gussform vom Spandauer Burgwall eingepasst werden. Man darf somit davon ausgehen, dass dieses Artefakt mit der Spandauer Form gefertigt wurde.
Vom 24.01.2026 bis zum 11.03.2026 werden beide Funde im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg zum ersten Mal gemeinsam der Öffentlichkeit präsentiert, bevor sie auch in Berlin zu sehen sein werden.
Lukas Goldmann M.A., Referent für das Slawische Mittelalter am Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, wird in seiner Führung neueste Erkenntnisse und Überlegungen zum Spandauer Kreuz vorstellen.
Es werden auch archäologische Spuren und Schriftquellen thematisiert, welche uns Informationen zur heidnischen Glaubenswelt als auch zur Christianisierung der Westslawen liefern können.
Eintritt 5 € | erm. 3,50 € | Familien 10 € | Kinder unter 10 Jahren frei
Keine Führungsgebühr
Um Anmeldung wird gebeten.
Eine verbindliche Anmeldung von Di bis So jeweils 10 bis 17 Uhr ist unter 03381 / 4104112 möglich.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.
Archiv
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