Ein Beispiel der Neuen Sachlichkeit

Tasse, Porzellan, 1890-1920, Bauhaus/Deutscher Werkbund

Strausberg, Lkr. Märkisches-Oderland,
Leihgabe Klaus Stieger, Müncheberg
Foto: Michael Schneider, BLDAM

Dieses Objekt stammt aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Es ist eine Kaffee-HAG-Tasse, gefunden auf einer Mülldeponie bei Strausberg. In der Tasse spiegeln sich zwei Aspekte wider.
Zum einen ist sie Ausdruck von Ornamentlosigkeit und Schlichtheit, wie sie zuvor noch nicht bekannt war. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es Tendenzen zu einem neuen sachlichen Stil. Dieser neue sachliche Stil in Architektur und Design ist das Ergebnis des 1907 in München gegründeten Deutschen Werkbundes, einem Zusammenschluss von Künstlern, Handwerkern, Architekten und Unternehmern. Ihr gehörten u.a. bekannte Persönlichkeiten wie Henry van de Velde, Bruno Taut, Peter Behrens oder Walter Gropius sowie Ludwig Mies van der Rohe an.
Ziel war es, durch eine optimale Gestaltung den deutschen Industrieprodukten einen hervorragenden Platz auf dem weltweiten Absatzmarkt zu verschaffen. Durch die Verbindungen zwischen Kunst, Industrie und Handwerk konnten somit nicht nur Impulse für Formgebung und Baukultur, sondern auch für weiterführende Prozesse innerhalb der Gesellschaft gegeben werden.
Der zweite Aspekt, der sich in der Tasse zeigt, steht für die Erfolgsgeschichte des Bremer Bürgers Ludwig Roselius, welcher 1906 mit anderen Bremer Großhändlern die Kaffee-Handels-Aktien-Gesellschaft (Kaffee-HAG) gründete. Als weltweit erstes Unternehmen stellten sie koffeinfreien Kaffee her.
Ab 1908 entstanden dann die unverwechselbaren Werbemotive der Marke. Mit Hilfe des Designers, Architekten und Werbegraphikers Wilhelm Christoph Eduard Scotland wurde in den ersten Jahren ein modernes Corporate Design entwickelt. Somit gehörte Kaffee HAG, neben der AEG mit Peter Behrens, zu den ersten Unternehmen mit einem einheitlichen und grafisch geschmackvollen, imagepflegenden, werblichen Auftritt. Das von ihm entwickelte Logo des roten Rettungsringes sollte die Rettung vor gesundheitlichen Schäden symbolisieren. Eine eigens entworfene Schrift unterstützte zusätzlich die Werbung.
Die Tasse ist übrigens das Lieblingsexponat unseres Mitarbeiters Michael Schneider.


Älteste Keramik aus Jüterbog

Foto: BLDAM, Fritz Fabert

In der Jungsteinzeit gingen die Menschen allmählich vom Jagen und Sammeln zur Sesshaftigkeit mit Ackerbau und Viehzucht über. In Brandenburg lebten um etwa 5300 v.Chr. die ersten Ackerbauern. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Keramikfunde im Land Brandenburg. Sie lassen sich auf etwa 5200 v.Chr. datieren.
Die Menschen verzierten ihre Keramik mit Linienbändern, was der ersten bäuerlichen Kultur Brandenburgs auch den Namen gab. Das rundbodige und henkellose Gefäß, als Kumpf bezeichnet, aus Jüterbog im Lkr. Teltow-Fläming, spiegelt diese Zeit der ersten sesshaften Ansiedlungen wider.


Schädel mit Charonspfennig

Foto: Fritz Fabert, BLDAM
Schädel mit Charonspfennig, Knochen und Kupfer, Fahrland, Stadt Potsdam

Je nach Bestattungsform bleibt von slawischen Gräbern wenig bis nichts übrig, was „dinglichen“ Charakter hat. In der frühen Slawenzeit findet man in Brandgräbern bestenfalls eine Urne mit Leichenbrand und verbrannten Resten persönlicher Dinge, wie Schmuck und Messer. Ab dem 10. Jahrhundert werden zunehmend Körpergräber angelegt. Auch sie enthalten neben den Skeletten keine anderen Beigaben, nur besser erhaltene, da sie unverbrannt sind. Gefäße sind nun als Behälter einer Speise- oder Trankbeigabe zu deuten – teils für die Bestattung hergestellt, teils dem Alltag entstammend. Schläfenringe Perlen und Messer gelangen mit den Toten und ihrer Kleidung ins Grab. Münzen finden sich mitunter im oder auf dem Mund. Diese Beigabe hat sich – als ursprünglich heidnische Sitte – von der Antike über Byzanz (heute: Istanbul) und Großmähren oder über den Ostseeraum und den fränkischen Westen zu den Westslawen hin verbreitet.
Die Sitte, den Verstorbenen einen Obolus für den Weg in das Reich der Toten mitzugeben, gründet im griechischen Volksglauben. Demnach ist Charon der Fährmann, der die Toten gegen Entrichtung eines Wegegeldes über den Totenfluss Acheron (weitere Flüsse wie Lethe und auch Styx werden oft genannt) an das Tor des Hades (Gott der Unterwelt) geleitet.


Bunte Glasfingerringe

Bunte Glasfingerringe
Foto: Detlef Sommer, BLDAM

Zahlreiche Funde, in langjährigen Grabungen auf der Dominsel Brandenburg geborgen, belegen Handwerk und Gewerbe, Handel und Austausch sowie gehobene Lebensart und Kultstätten. Diese Schmuck-Spielart war offensichtlich eine Spezialität der brandenburgischen Handwerker. Sie beherrschten vermutlich auch die Produktion der Glasrohmasse, mussten also kein Glas importieren und konnten ihrerseits die fertigen Ringe exportieren.
Die hier gezeigten farbenfrohen Fingerringe aus der Slawenzeit, gefertigt von einem gut spezialisierten Handwerker, stammen aus der Stadt Brandenburg an der Havel und aus Lenzen, im Lkr. Prignitz.


Goldarmband von Nassenheide

Fundort: Nassenheide, Lkr. Oberhavel
Foto: BLDAM

Das 44 g schwere Armband wurde 1981 bei einer Stubbenrodung gefunden und datiert in die Mittlere Bronzezeit. Das in Treibtechnik gefertigte Schmuckstück besteht aus einem etwa 40 mm breiten Streifen Goldblech, der sich nach den Enden hin bogenförmig verjüngt. An beiden Enden befinden sich je zwei symmetrisch angeordnete Spiralen. Der bandförmige Körper ist durch 13 waagerechte Riefen verziert. Zudem wurden in die Winkel zwischen den Spiralansätzen mit einem spitzen Instrument Löcher gestoßen, sodass kleine Ösen entstanden sind. Durch die beiden Ösen wurde wahrscheinlich eine Schnur gezogen, die während des Tragens das Aufbiegen des Armbandes verhindern und so einem Verlust des wertvollen Schmuckstückes vorbeugen sollte.
Goldene Armbänder mit doppelten Endspiralen sind im Gebiet zwischen Oder unterer Oder und Elbe verbreitet. Sie gelangten aus Südosteuropa im Tausch gegen Bernstein in die Region. Der Fundort Nassenheide liegt in einem Gebiet binnenländischer Bernsteinvorkommen. Möglicherweise waren bereits während der Bronzezeit die Bernsteinlagerstätten in Zehdenick bekannt, die Anfang des 19. Jahrhunderts ausgebaut wurden.


Eine Gürtelschnalle aus Limoges in Brandenburg an der Havel

Gürtelschnalle Limoger Typ, 12./13. Jh.,
vergoldete Bronze und Emaille
Stadt Brandenburg (Original und Nachbildung)
Foto: Michael Schneider, BLDAM

1147 ruft Bernhard von Clairvaux zum zweiten Kreuzzug nach Jerusalem gegen die „Heiden“ auf. Das ist dem sächsisch-deutschen Landesherrn willkommener Anlass, selbst einen Kreuzzug, wie schon 1108 im Wendenkreuzzug, gegen die östlichen Nachbarn zu führen. Unter Führung Albrechts des Bären, Heinrich des Löwen und anderer Herren zieht man quer durch Brandenburg gen Osten. In diesem historischen Kontext ist folgender Fund zu betrachten, der im Jahre 1975 in der Mühlentorstraße der Brandenburger Altstadt bei der Verlegung einer Gasleitung ans Tageslicht gebracht wurde. Ein arabischer Kamelreiter mit Schild und Krummsäbel verziert als Emaille-Einlage die Gürtelschnalle. Sie stammt wahrscheinlich aus den Werkstätten des südfranzösischen Goldschmiedezentrums Limoges oder zumindest aus einer Werkstatt, die sich dieser technischen und stilistischen Tradition verpflichtet fühlte und belegt neben Fernverbindungen auch Ideologie und Gedankengut ritterlicher Kreise der Kreuzzugszeit. Erzeugnisse aus Limoges fanden nicht nur in Frankreich Absatz, sondern gelangten im Verlauf der Kreuzzüge bis nach Palästina. Eng verbunden sind die Einflüsse der byzantinischen, islamischen und mozarabischen Kunst auf die spanische und französische Romanik und die Beziehungen der Goldschmiedewerkstätten von Limoges zu Spanien.
Das Dekor der Brandenburger Gürtelschnalle zeigt in seinen Details die Einflüsse aus dem islamischen und spanischen Raum. Aus der weiten Verbreitung lässt sich eine Produktion für großräumigen Absatz und Vertrieb durch Händler schließen, die an bestimmten Markttagen in den Städten zugelassen waren. Wie die wertvolle Gürtelschnalle nach Brandenburg gelangte ist schwer zu beantworten.
Sie kann als Handelsobjekt in den hiesigen Raum gebracht oder von einem Durchreisenden auf der Handelsstraße Magdeburg – Brandenburg – Lebus – Poznan´- Kiew verloren worden sein. Sie könnte aber auch von einem märkischen Teilnehmer der Kreuzzüge erworben und heimgebracht worden sein.


„Es ist nicht alles Gold …” – Ein Silbermünzschatzfund aus Plänitz

Münzschatzfund, Silber, Plänitz, Lkr. Ostprignitz-Ruppin
Foto: Thomas Mattern, BLDAM

Verstreut auf einer Fläche von 100 m² wurde 2004 auf einem Acker bei Plänitz ein Schatz von 601 Münzen und einem Medaillon entdeckt. Vermutlich wurde der Schatz in einem Leinbeutel inmitten einer sich dort befindenden slawischen Siedlung im anstehenden Sandboden vergraben. Sein Silbergewicht beträgt 650g und er besteht fast ausschließlich aus „Sachsenpfennigen“ der Mitte des 11. Jahrhunderts. Der Schatz beinhaltet im Wesentlichen zwei Typen. Der erste zeigt auf der Vorderseite ein Kreuz im Kugelkreis, auf der Rückseite ein Keilkreuz mit Punkten und Winkeln und ist vermutlich ab 1060 in der Mark Meißen entstanden. Der zweite Typ hat ein Kreuz mit Kugeln und Ringeln in den Winkeln, auf der Rückseite ein Keilkreuz ohne Beizeichen. Solche Pfennige prägte man 1065 im mittleren Saale-Gebiet, möglicherweise in Naumburg. Wenige andere Münzen stammen aus Niederlothringen und Sachsen.
Eine Besonderheit stellt das 9 Gramm schwere silberne Medaillon dar, das deutliche Tragespuren aufweist. Es ist mit eingravierten Darstellungen verziert, die in einzigartiger Kombination byzantinische und slawische, nordische und deutsche Motive zusammenführen. Es muss daher aus einem „Überschneidungsbereich“ dieser Kulturen stammen, wo alle diese Bildtraditionen bekannt waren: dem Kiewer Raum.
Der Fundort Plänitz ordnet sich mit seiner slawischen Siedlung in das charakteristische frühmittelalterliche Siedlungsbild der Gegend ein, die seit dem 7./8. Jh. durchgehend bewirtschaftet wurde. Er liegt im 948 erstmals erwähnten slawischen Stammesgebiet der Dossanen, deren Verwaltungs- und Handelszentren die stark befestigten Burganlagen in Wusterhausen und Kyritz waren. Der Fund dokumentiert im Zusammenhang mit anderen Münzschätzen aus dem westlichen Brandenburg erneut, dass im 11. Jahrhundert nicht nur Zentralorte an Handel und Austausch beteiligt waren, sondern auch die kleineren offenen Siedlungen.


Wildpferdeknochen und Feuersteingerät aus Jänschwalde

Foto © AtelierThomasBartel, BLDAM

Eine Jagd- und Zerlegestation des Neandertalers. Wenn die mächtigen Schaufelradbagger der Tagebaue in die Erde eingreifen, treten nicht selten erstaunliche archäologische Funde und Befunde zutage. So geschehen im Jahr 2013 im Tagebau Jänschwalde im Niederlausitzer Braunkohlerevier.
Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurden in einer Tiefe von rund 20 m Erdschichten freigelegt und untersucht, die zwischen 130 000 und 128 000 Jahre alt sind. In dieser Zeit endete die vorletzte, so genannte Saale-Eiszeit und das Klima erwärmte sich maßgeblich.
Zahlreiche botanische Makroreste sowie Überreste von Säugetieren und Fischen konnten geborgen werden. Besondere Aufmerksamkeit erfuhren hierbei Knochen eines Wildpferdes, die bei genauerer Untersuchung eine kleine Sensation erbrachten: Schnittmarken an Rippen und Schlagspuren an Halswirbeln belegen, dass das Tier vor Ort von Menschen zerteilt worden sein muss. Auch die Suche nach den Werkzeugen der Jäger stand unter einem guten Stern. Bei den Pferdeknochen fand sich unter anderem ein Schaber aus Feuerstein (siehe Foto). Gebrauchsspurenanalysen an den mittelpaläolithischen Steingeräten ergaben, dass die gefundenen Artefakte einst mit Fleisch und Knochen in Berührung gekommen waren.
Der Fundplatz Jänschwalde erbrachte somit die ältesten Zeugnisse menschlichen Lebens im gesamten Bundesland Brandenburg. Die Artefakte werden dem Homo neanderthalensis zugesprochen.
Die ebenfalls vor Ort durchgeführten geologischen und paläonthologischen Untersuchungen ermittelten, dass der Fundplatz einst in einer flachen Niederung lag, die von Gewässern durchzogen war. Die Vegetation hatte sich dem noch kühlen Klima angepasst und bestand aus Sanddorn, Weiden und Birken sowie verschiedenen Kräutern, Gräsern und Moosen. In dieser Landschaft lebten Neandertaler, die hier Wildpferden aber auch Steppenbisons und Elchen nachstellten. An Jagd- und Zerlegestätten wie der in Jänschwalde wurde die tierische Beute aufgebrochen und zerteilt.


Ein Geweihgerät aus Wustermark

Fundort: Wustermark
Datierung: etwa 10 500 bis 9 300 v. Chr.
Foto © AtelierThomasBartel, BLDAM

Der Fundplatz „Wustermark 22“ im Havelland ist in Fachkreisen bestens bekannt. Das Areal liegt auf einem halbinselartigen Geländesporn, in dessen unmittelbarer Nähe der Havel-Kanal verläuft. Ein verlandeter Rinnensee lag einst am Rande des heutigen Kanals.
Im Zuge mehrwöchiger Grabungsarbeiten im Jahr 1999 konnten hier Siedlungsspuren verschiedener Zeitabschnitte freigelegt werden. Nach dem Abtragen bis zu 1,70 m mächtiger Torfablagerungen stießen die Archäologen schließlich auf den ältesten Fundhorizont. Die hier geborgenen Artefakte aus Knochen, Elfenbein, Geweih und Feuerstein sowie von Menschenhand zerkleinerten Wildtierknochen wiesen die Fundschicht in den Übergang von der Altsteinzeit zur Mittleren Steinzeit vor etwa 12 500 bis 11 300 Jahren.
Knochenspitzen und Angelhaken deuten darauf hin, dass vor Ort gejagt und gefischt wurde. Einen Überraschungsfund stellte jedoch ein Gerät aus Elchgeweih dar. Das etwa 20 cm lange Stück läuft in eine Klinge aus, während das Ende des Geräts leider nicht erhalten ist. Die Oberfläche des Artefakts wurde sorgfältig geglättet.
Aufgrund der fehlenden Endgestaltung muss offen bleiben, ob das Gerät gelocht oder geschäftet war oder ob es mit der Hand geführt wurde. Somit bleibt auch die Zuordnung des Stückes verschwommen: Es könnte sich um eine Hacke oder ein Beil handeln, aber auch ein bisher nicht bekannter Gerätetyp ließe sich vermuten.
Auffällig ist die feine Ritzverzierung aus gebündelten Zickzacklinien, die auf der Höhe der Klinge angebracht ist. Eine weitere, kaum noch erkennbare Verzierung findet sich nahe der Bruchstelle im Nacken. Über die Bedeutung der Zickzacklinien und den Grund ihres Anbringens lässt sich nur spekulieren. Ethnologische Vergleiche zeigen, dass Verzierungen meist mehr als reine Dekoration sind.
Nicht selten wird Ornamenten magische Wirkung zugesprochen, die ein Gerät z. B. wirksamer machen sollen. Auch symbolhaft verschlüsselte Botschaften sowie die Zählung von Dingen oder Ereignissen können sich hinter Verzierungen verbergen. Aus archäologischer Sicht lässt sich feststellen, dass die Ritzlinien bereits den geometrischen Mustern der Mittleren Steinzeit ähneln und eher untypisch für altsteinzeitliche Gruppen sind. Generell ist „Kunst am Knochen“ für die ausgehende Altsteinzeit in Brandenburg selten belegt. Möglicherweise hatten die umherstreifenden Jäger und Sammler schlichtweg nicht die Zeit, sich derartigen Tätigkeiten zu widmen.


Ein reich verzierter Lochstab aus Wagenitz

Foto © AtelierThomasBartel, BLDAM

Im Jahr 1974 barg man im Zuge von Baggerarbeiten bei Wagenitz im Havelland ein mit Verzierungen bedecktes Geweihbruchstück. Während die Arbeiten weitergeführt wurden, geriet der Fund zunächst in Vergessenheit. Erst nach mehreren Monaten übergab man ihn an das damalige Museum für Ur- und Frühgeschichte in Potsdam.
Die Experten erkannten sofort die Bedeutung des Stückes: Es handelte sich um das Fragment eines reich verzierten, gebrochenen Lochstabes aus Rothirschgeweih. Ein seltener, wenn auch mehrfach in Brandenburg belegter Fundgegenstand. Zeitlich gehört das 27 cm lange und etwa 6 cm breite Artefakt in die Mittlere Steinzeit (9000 bis etwa 5000 v. Chr.).
Der gut erhaltene Lochstab wurde aus dem mittleren Abschnitt einer linken Geweihstange gefertigt. Abzweigende Sprossen und die so genannte Geweihrose hatte man abgetrennt und die gesamte Geweihoberfläche sorgfältig bearbeitet und geglättet. Namensgebend ist die oval-runde Durchlochung des Stücks, die durch Einschnitte erzielt wurde.
Neun eingeritzte Zickzack-Linien bedecken die Staboberfläche. Auch wenn das Muster auf den ersten Blick einheitlich wirkt, so sind die Linien teilweise unterschiedlich ausgeführt und nur bedingt symmetrisch. Man erkennt Linien, die rechtwinklig aneinanderstoßen ebenso wie Zickzacklinien, die von angesetzten Kerben gesäumt werden. Auch ein Muster, das nur aus einigen Kerbschnitten besteht, gehört zum Dekor. Das Anbringen der Verzierung erfolgte mit scharfen Werkzeugen aus Feuerstein.
Das tief eingekerbte Muster war möglicherweise mit einer harzigen Masse ausgefüllt, wie es von anderen Lochstäben aus Norddeutschland und Südskandinavien überliefert ist. Das Hervorheben der Gravuren mit einer Harz- oder Graphitmasse sollte das Dekor sicher betonen.
Derartige Lochstäbe fertigten nicht nur die mesolithischen Jäger, Sammler und Fischer. Bereits bei den Rentierjägern der jüngeren Altsteinzeit waren durchbohrte Geweihgeräte bekannt.
Die einstige Funktion dieser Artefakte ist nicht endgültig geklärt. Dementsprechend zahlreich und unterschiedlich sind die Deutungen – sie reichen von Kultstab oder Zepter bis zum profanen Zelthering. Besonders aufschlussreich sind ethnologische Beobachtungen bei indianischen Ureinwohnern und den Inuit Nordamerikas. Hier werden ähnliche Geräte zum Geradebiegen von Pfeilschäften und Geschossspitzen verwendet. Ein ähnlicher Einsatz wäre für die Lochstäbe der europäischen Steinzeit denkbar, auch wenn andere Funktionen nicht ausgeschlossen werden können und sollen.


Zwei goldene Berlocken der älteren Kaiserzeit

Zwei goldene Berlocken aus Kemnitz (Potsdam-Mittelmark) und Rauschendorf (Oberhavel)

Foto © AtelierThomasBartel, BLDAM

Friedhöfe der Römischen Kaiserzeit wurden meist über viele Generationen genutzt. So konnten die Gräberfelder des 1. bis 4. Jh. n. Chr. zuweilen mehrere Hundert Bestattungen umfassen. In Kemnitz und Rauschendorf wurden bei Ausgrabungen in den 1950er und 1960er Jahren zwei derartige Bestattungsplätze aus dem 1. bis 2. Jahrhundert n. Chr. freigelegt und untersucht.
Als typische Beigaben von Mann und Frau fanden sich Trachtenelemente wie Fibeln und metallene Gürtelbestandteile. Diese lagen mit dem Leichenbrand der Verstorbenen in einer Urne bzw. in der Grabgrube. Als ausgesprochen seltene Funde traten auf beiden Gräberfeldern so genannte Berlocken zutage.
Hierbei handelt es sich um kleine, verzierte Goldanhänger, die im ersten und zweiten nachchristlichen Jahrhundert von Böhmen bis Südskandinavien Verbreitung fanden.
Aus einer Schmuckdeponierung ohne Bestattung stammt der Berlock vom Gräberfeld in Kemnitz (rechts im Bild). Den heute 2,3 cm langen, doppelkonischen Anhänger bedeckt eine aufgelötete Golddrahtverzierung. Die paarig angeordneten, gedrehten Drahtbänder erzeugen den Eindruck eines Flechtbandes. Sie winden sich um das Oberteil und laufen in Streifen das Unterteil hinab. Den Abschluss bildete ursprünglich ein aufgelöteter Granulationsbesatz.
Der Berlock vom Rauschendorfer Friedhof ist von birnenförmiger Gestalt. Dieses Artefakt misst 2,8 cm und zeigt eine ähnliche Golddrahtverzierung. Das untere Ende des Berlock trägt eine Traubengranulation, die aus verschieden großen Goldkugeln besteht. Die Aufhängung des Stücks ist nicht erhalten, doch erkennen wir am Ösenhals noch angelötete Goldkügelchen.
Berlocken sind Elemente der kaiserzeitlichen Frauentracht. In nahezu allen bekannten Fällen wurden sie als Einzelstücke aus Gräbern geborgen. Funde von erhaltenen Ketten mit Berlock-Anhänger belegen das Tragen als Halsschmuck.
Die Goldberlocken sind ein eindrucksvolles Zeugnis germanischer Feinschmiedekunst


Ein slawischer Schild aus Lenzen

Schild aus Lenzen in der Prignitz

Foto © AtelierThomasBartel, BLDAM

Das Gebiet um Lenzen hat eine bewegte Geschichte. An der Grenze zwischen fränkischem/ostfränkischem Reich und slawischem Siedlungsgebiet gelegen, taucht es ab dem 9. Jahrhundert in den Schriftquellen auf. Die Auseinandersetzungen zwischen Slawen östlich der Elbe und ihren westlichen Nachbarn waren zahlreich. So verwundert es nicht, dass bei Lenzen, im einstigen Stammesgebiet der Linonen, mehrere Wehranlagen nachgewiesen wurden.
2001-2002 fanden in Lenzen Ausgrabungen statt, welche Teile der slawischen Befestigungen auf dem Burgberg erfassten. Dendrochronologische Ergebnisse belegen, dass hier um 950 eine erste Burg erbaut wurde. Ihre Existenz war wohl aufgrund von Überschwemmungen von kurzer Dauer. Schon um 980 entstand ein neuer Ringwall in Kastenbauweise. Dieser fiel Ende des 10. Jahrhunderts einem Feuer zum Opfer.
Hierauf folgte die längste und letzte Burgphase in slawischer Zeit. In den Schriftquellen begegnet uns Lenzen nun als Leontium bzw. Lenzin. Hier soll der obodritische Fürst Gottschalk ein Nonnenkloster errichtet und 1066 bei einem Aufstand der Linonen den Tod gefunden haben. Interessanterweise stammen die reichsten Funde der Burg aus der Zeit nach diesem Ereignis. Ein Reitersporn, Schmuck aus Silber, Glas und Bernstein sowie Knochen von Jagdwild werden auf die Anwesenheit von Oberschicht und Krieger zurückgeführt.
Herausragend ist der Fund eines fragmentierten Kampfschildes aus Erlenholz. Das ovale, aus mehreren verleimten Holzlagen gefertigte Stück hat eine Länge von 66 cm und eine Breite von 71 cm. Umrahmt wird der Schild von einer Einfassung aus Bastgeflecht. Sechs Kupfernieten mit Eisenköpfen und zwei quadratische Löcher dürften die Reste der einstigen Halterung sein. Eine metallene Schildfessel oder ein Schildbuckel fanden sich nicht. Auf der Außenseite ließen sich jedoch Spuren der einstigen roten Bemalung nachweisen.
So sehr die feuchten Bodenverhältnisse den Lenzener Burgbewohnern zuweilen zu schaffen machten, wir verdanken ihnen die gute Erhaltung dieses Schildes und eine Ahnung von den wehrhaften und wohlfeilen Lebensverhältnissen der slawischen Oberschicht.


Zwei bandkeramische Kümpfe aus Zollchow

Zwei bandkeramische Kümpfe aus Zollchow in der Uckermark

Foto © AtelierThomasBartel, BLDAM

Die Uckermark ist heute ein beliebtes Reiseziel für gestresste Großstädter und Naturliebhaber. Doch bereits vor etwa 7000 Jahren erfreute sich diese Region regen Zuspruchs. Ihre fruchtbaren Böden machten sie ausgesprochen attraktiv für die ersten sesshaften Bauern, die um etwa 5500 bis 5000 v. Chr. einwanderten und kleine Siedlungen gründeten.
Das schleichende Ende der Zeitalter der Jäger und Sammler und der Beginn der agrarisch geprägten Jungsteinzeit war hiermit eingeläutet. Der Anbau von Getreiden und Hülsenfrüchten, das Halten und Züchten von Tieren, das Errichten von Häusern sowie das Weben von Textilien gehören zu den Neuerungen der Jungsteinzeit. Doch auch das Töpfern zählt zu den Innovationen dieser Epoche.
Die beiden abgebildeten Gefäße stammen aus einer Siedlung jener Landwirtschaftspioniere. Es handelt sich um Kümpfe der so genannten Linienbandkeramik. Dies ist der Name der ersten jungsteinzeitlichen Kultur, die weite Teile Europas erreichte. Namensgebend für diese archäologische Kultur ist eine aus Wellenbändern und geschwungenen Linien bestehende Verzierung der Gefäße.
Beide restaurierten Kümpfe stammen aus Gruben, die zu einer bandkeramischen Siedlung im uckermärkischen Zollchow gehören. Aus diesen förderten die Ausgräber zum Teil große Mengen an Abfall. Neben Scherben von Gefäßen verschiedener Qualität fanden sich unter anderem Tierknochen, Reibsteine sowie Objekte und Abschläge aus Feuerstein.
Die Keramiken weckten jedoch das besondere Interesse der Fachleute. Form und Verzierung der Gefäße zeigen deutliche Parallelen zu Funden aus Ostmitteleuropa. Möglicherweise kamen die ersten Ackerbauern und Viehzüchter der Uckermark von hierher.
Die zum Teil sehr dünnwandigen und fein gearbeiteten Gefäße bedeckten Bogenbänder, so genannte Notenkopfmuster und für die Uckermark typische dreieckige Einstiche. An einzelnen Gefäßen hafteten noch kalkhaltige Farbreste, die auf eine einstige Bemalung hinweisen. In wenigen Fällen fanden sich auch Spuren von Pech an den Scherben. Das Material diente vermutlich als Untergrund für aufgeklebte Verzierungselemente.
Die Hersteller dieser Keramik waren demnach geübte Töpfer und regelrechte Ästheten.


Ein Ulfberht-Schwert aus Alt Galow

Ein Ulfberht-Schwert aus Alt Galow in der Uckermark

Foto © AtelierThomasBartel, BLDAM

Im Jahr 1992 wurden in der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße umfangreiche Baggerarbeiten vorgenommen.
Die Überraschung war groß, als der Schürfeimer des Baggers nicht nur Wasser und Schwemmsand, sondern ein außerordentlich gut erhaltenes, etwa 90,3 cm langes Eisenschwert zu Tage förderte.
Das Erstaunen nahm weiter zu, als bei fachkundiger Begutachtung des Fundstückes an beiden Klingenseiten Buchstaben und Zeichen sichtbar wurden. Ein 20,5 cm langer, in Eiseneinlage ausgeführter Schriftzug lautet + VLFBERH+T. Auf der anderen Klingenseite lassen sich schwach Striche und ein Rhombenmotiv erkennen.
Während die Form des Schwertes dem gebräuchlichen, frühmittelalterlichen Schwerttyp X (nach Petersen) zugeordnet werden kann, lässt die Inschrift Archäologenherzen höher schlagen: Es handelt sich bei dem Fund aus dem Altarm der Oder um ein echtes Ulfberht-Schwert.
Offenbar standen ein gewisser Ulfberht und seine Werkstatt für eine langlebige Produktion hochwertiger Schwertklingen, die man getrost als mittelalterlichen Exportschlager bezeichnen kann.
Die Waffen erfreuten sich zwischen 800 und 1100 n. Chr. europaweit großer Beliebtheit. Besonders aus dem wikingerzeitlichen Skandinavien stammen zahlreiche Funde, darunter sowohl echte als auch gefälschte Ulfberht-Waffen. Wie das Schwert in die Uckermark und somit in das einstige Siedlungsgebiet der slawischen Ukranen gelangte, lässt sich heute nicht mehr nachverfolgen. Archäologische und schriftliche Quellen belegen jedoch, dass sich die slawischen Eliten des Frühmittelalters gern mit militärischen Statussymbolen, ausstatteten – und dass die Zeiten ausgesprochen unruhig waren.
Offen bleibt auch die Frage, ob das Schwert im Zuge eines Unfalls oder Unglücks in das Wasser gelangte oder ob es absichtlich, möglicherweise als Opfer an einer einstigen Furt, deponiert wurde.

Zwei Tierkopfarmringe der Römischen Kaiserzeit aus Kemnitz

Zwei Tierkopfarmringe der Römischen Kaiserzeit aus Kemnitz (Potsdam-Mittelmark)

Foto © AtelierThomasBartel, BLDAM

Die Zeit von etwa 50 v. Chr. bis 375 n. Chr. bezeichnen Archäologen in unseren Breiten als Römische Kaiserzeit. Die germanischen Gruppen jener Epoche praktizierten nahezu ausnahmslos die Brandbestattung. Ihre Urnengräberfelder umfassten zuweilen Hunderte von Beisetzungen, da die Flächen oft über mehrere Generationen genutzt wurden.
So auch im Falle des kaiserzeitlichen Bestattungsplatzes von Kemnitz in Potsdam-Mittelmark, auf dem Ende der 50er/Anfang der 60 Jahre etwa 900 Bestattungen freigelegt wurden. Zu den hier geborgenen Grabbeigaben gehören auch so genannte Tierkopfarmringe aus Silber, die in den Zeitraum 50-150 n. Chr. datieren.
In Kemnitz wie andernorts fanden sich die filigranen Ringe mit zoomorph gestalteten Enden meist in Bestattungen erwachsener weiblicher Individuen.
Eine Ausnahme bildet das gut erhaltene Exemplar aus dem Kemnitzer Grab 356, welches auf dem Foto im Hintergrund zu sehen ist. Das in spitze Schnauzen auslaufende Schmuckstück wurde einem kleinen Mädchen mitgegeben. Der Verstorbenen folgten zudem vier silberne Fibeln, zwei Armringe aus Silberdraht, wohl ein silberner Halsring und ein Gürtel mit Bronzebeschlägen in ihr Grab, auch eine silberne Hakennadel und eine Bronzenadel gehörten zu den Beigaben. Ein Großteil der Funde ist ausgesprochen ungewöhnlich für ein Kind.
Nur in Teilen erhalten ist der Tierkopfarmring im Vordergrund des Bildes. Das Artefakt stammt vermutlich aus dem Grab einer Frau. Die Verstorbene erhielt neben diversen Schmuck- und Trachtenelementen, Nadeln, einem Eisenschlüssel, einem Spinnwirtel auch einen weiteren fragmentierten Tierkopfarmring. Beide Ringe, die in runde verzierte Schnauzen münden, wurden möglicherweise bewusst zerbrochen.
Als Vorbild für die germanischen Tierkopfarmringe dienten wahrscheinlich römische Schlangenkopfarmringe. Diese wurden als militärische Auszeichnung oder Ehrengeschenk an Armeeangehörige verliehen. Im germanischen Siedlungsraum dürfte man diesen Schmuck gekannt, übernommen und nach eigenem Geschmack gestaltet haben. So lässt sich mitunter nicht entscheiden, welche Tiere die Ringenden darstellen sollen. Auch die Tatsache, dass Frauen diesen Schmuck anlegten, ist eine Abweichung vom römischen Original.
Weitere Typen der germanischen Tierkopfarmringe sind aus Polen und Südskandinavien bekannt.


Kultwagen aus Potsdam-Eiche

Kultwagen – Bronze

Eiche, Stadt Potsdam
Foto: BLDAM, Detlef Sommer

Macht und Ansehen der Eliten auf der Erde und zugleich im Angesicht höherer Mächte – dies symbolisieren die reich ausgestatteten Gräber und weithin sichtbaren Grabanlagen. Gerade aus der Bronzezeit sind uns vielfältige Gegenstände mit religiöser Symbolik überliefert. Im Mittelpunkt stehen häufig Sonne und Wasser. Davon zeugen für das Gebiet der Lausitzer Kultur in Brandenburg und Schlesiensieben Deichselwagen-Miniaturen. Obgleich ganz unterschiedlich in der Ausführung, haben alle eines gemeinsam. Ihre Räder sind beweglich. Auf den Tüllen sitzen jeweils Wasservögel. Die Tüllen gabeln sich und die Gabelspitzen laufen in gehörnten Plastiken aus. Die vierspeichigen Räder symbolisieren die Sonne, die Vögel vermutlich das Wasser. Man hat den Wagen in seine Einzelteile zerlegt und in ein Gefäß deponiert. So überdauerte er die Zeiten.
Die meisten Wagen fanden sich im Bereich von Gräberfeldern, daher ist anzunehmen, dass sie während der Bestattungen als Kultgeräte dienten. In die Tülle ließ sich vielleicht ein Stab stecken und damit der Wagen über den Boden rollen oder als Standarte tragen. Die rollende Fortbewegung des Rades und das gemächliche Dahinschwimmen an der Wasseroberfläche gehen eine Verbindung ein…


Der Widder von Lossow

Foto: BLDAM, Fritz Fabert

Der Burgwall von Lossow - in der Nähe von Frankfurt Oder- gilt als eines der bedeutendsten bronze-/früheisenzeitlichen Bodendenkmale der Region. Als befestigte Siedlung am Ende der mittleren Bronzezeit angelegt, wurde man insbesondere durch die Befunde seiner früheisenzeitlichen Nachnutzung aufmerksam.
Diese zeigen sich durch bisher 63 lokalisierte und teilweise untersuchte Schachtanlagen, die bis zu 7 m tief sind und zum Ende des 9. Jh. v. Chr. angelegt wurden. Die Schächte bargen zerstückelte menschliche und tierische Skelett(-reste) und wurden bislang als Hinweis auf Opferungen interpretiert.
Im Zusammenhang mit dieser kultischen Nutzung des Platzes wurde bei den Ausgrabungen des Platzes im Jahre 2008 eine kleine bronzene Widderfigur gefunden, die nicht nur die besondere Stellung und Bedeutung des Fundplatzes Lossow unterstreicht, sondern auch seinen beträchtlichen Bekanntheitsgrad und seine weitreichenden Kontakte in der frühen Eisenzeit aufzeigt. Sowohl zeitlich als auch räumlich ist die kleine Tierfigur ein außergewöhnliches Unikat nicht nur in der Region, sondern auch nördlich der Alpen. Uneingeschränkt zeugt sie von hoher künstlerischer Qualität und stellt ein kleines Meisterstück dar. Eine indirekte Datierung des Widders über Holzkohle belegt eine Zeitstellung in das 8. Jh. v. Chr.
Stilistische Vergleiche weisen in den griechischen Kulturraum, wo vergleichbare bronzene Tierstatuetten aus Tempelanlagen und Heiligtümern geometrischer Zeit (ca. 900-700 v. Chr.) bekannt sind. Beste Parallelen zeigen Funde aus Kultstätten des griechischen Festlandes, insbesondere aus Olympia.


Bartmannskrug

Bartmannskrug Keramik, Stadt Potsdam
Foto: Detlef Sommer, BLDAM

Bei den Ausgrabungen auf dem Areal um den Alten Markt in Potsdam im Jahre 2008, stießen Archäologen auf drei Bartmanns- bzw. Gesichtskrüge aus dem 14./15. Jahrhundert. Es sind sehr aufwendig herzustellende Keramiken. Ihrer hohen Wertschätzung als Schankgefäß entspricht die weite Verbreitung in Mitteleuropa. Charakteristisch sind die auf dem Hals befindlichen frei modellierten Gesichter mit aufliegenden Pupillen. Diese Krüge stammen vermutlich aus den Waldenburger Töpfereien in der Nähe des heutigen Chemnitz. Bei der Deutung dieser Krüge gibt es unterschiedliche Interpretationen. Zum einen könnten die bärtigen Gesichter Gott darstellen, oder als eine Art Apotropaion dienen, ein magischer Gegenstand zum Schutz gegen böse Kräfte.
Sie könnten aber auch einfach nur einen dekorativen Charakter haben.


Zwiebelknopffibel (4./5. Jh. n. Chr.)

Fundort: unbekannt, Land Brandenburg,
Foto: Fritz Fabert, BLDAM

Im Allgemeinen sind Fibeln Gewandspangen oder Gewandnadeln, deren Aufgabe darin bestand, Stofflagen (Umhänge, Mäntel) zusammenzuhalten. Die Fibel (lat. fibula = heften) war modischen Veränderungen unterworfen. Daher gab es zeit- und regionalspezifische Formen.
Mitunter können sie auch Hinweise auf das Geschlecht, die soziale Stellung und die Herkunft des Trägers liefern.
Die hier dargestellte Zwiebelknopffibel war in der Spätantike und im Frühmittelalter verbreitet.
Diese vergoldete und aus Bronze bestehende Fibel aus dem 4/5. Jh. n. Chr. war ein Rangabzeichen römischer Beamte und Offiziere. Sie wurden fast nur von Männern und immer einzeln getragen. Anhand von Darstellungen lässt sich feststellen, dass diese auf der rechten Schulter befestigt wurden.
Die meisten Zwiebelknopffibeln wurden aus Messing oder aus Bronze gefertigt. Einige waren auch vergoldet. Wenige Exemplare sind aus Gold oder Silber, was die Vermutung zulässt, dass es sich hier um Rangunterschiede der Träger handelt.


Slawische Schläfenringe

Foto: Fritz Fabert, BLDAM
Schläfenringe, Bronze, Lkr. Havelland, Lkr. Potsdam-Mittelmark,
Lkr. Märkisch-Oderland

Schmuckstücke prägten die oft schlichte Kleidung der slawischen Frau. Zu der beliebtesten Schmuckform zählten die Ringe in ihren unterschiedlichen Ausprägungen als Ohrring, Armring und als Schläfenring, der wohl am häufigsten getragen wurde und auch nur im slawischen Kulturkreis anzutreffen war. Sie wurden aus Bronze, aus einer Bronze-Silberlegierung und in seltenen Fällen auch aus Gold gefertigt.
Anhand von Grabfunden konnte nachgewiesen werden, dass die Ringe an kleinen Bändern aus Stoff oder Leder befestigt wurden. Auch konnten mehrere Ringe nebeneinander auf das Trägerband angebracht und beim Anlegen um den Kopf an beiden Schläfen getragen worden sein.
Bei der osteuropäischen Bevölkerung hatte das Tragen der Schläfenringe eine lange Tradition.
Seit dem 9./10. Jahrhundert erlangte der Schläfenring mit S-förmigem Ende zunehmend an Bedeutung. Anfangs hatten sie noch einen kleinen Durchmesser bis 2,5 cm, der sich dann aber seit dem 11. Jahrhundert bis zum 13. Jahrhundert auf bis zu 8 cm erweiterte.
Eine besondere Art dieser Ringe waren die sogenannten Hohlschläfenringe, die vor allem in den Gebieten der Heveller, der Wilzen der Obodriten und der Pomoranen verbreitet waren.
Dünnes Blech wurde dafür zu kleinen Röhren zusammengerollt und zu einem Ring gebogen. Die dickeren Hohlschläfenringe hatte man durch Punzen und Treibarbeit mit verschiedenen Schmuckmotiven wie Rauten oder Palmetten versehen.


Zeit vergeht – Eine halbe Klappsonnenuhr aus Elfenbein

Unterplatte einer Klappsonnenuhr,
Elfenbein, um 1620-1634
gefunden 1995 in Frankfurt/Oder
Foto: Thomas Matter, BLDAM

Klappsonnenuhren dienten Reisenden ab dem späten 15. Jahrhundert. Wahrscheinlich erfand sie der österreichische Astronom Georg von Peuerbach.
Die achteckige Unterplatte zeigt ein einfaches Ziffernblatt mit der Stundenfolge 4 – 12 – 8. Die halben Stunden sind durch Punkte markiert. Der Kompass selbst ist nicht erhalten. In der dafür vorgesehenen Vertiefung sind die lateinischen Hauptrichtungen SEP/ORI/MERI/OCCI /Nord/Ost/Süd/West) sowie die Missweisung des Kompasses (durch Erdmagnetismus bedingte Abweichung der Nadel von der Nord-Süd-Achse) eingraviert.
Zwischen der Unterplatte und der nicht mehr erhaltenen Oberplatte war ein Faden gespannt, der als Schattenwerfer diente. Die Meistersignatur auf der Unterseite ist vermutlich Hans Troschel dem Jüngeren, einem Kompassmacher und Kupferstecher aus Nürnberg zuzuweisen.


Die Angelhaken aus Wustermark und Dreetz

Foto © AtelierThomasBartel, BLDAM

Die Menschen der Mittleren Steinzeit (ca. 9000 bis 5000 v. Chr.) werden gemeinhin als „Jäger und Sammler“ bezeichnet. Dass dieser Aufzählung der „Fischer“ hinzugefügt werden darf, unterstreichen zahlreiche Funde von Fischfanggeräten aus jener Zeit.
Zur Ausstattung der mittelsteinzeitlichen Fischer gehörten Angelhaken. Diese wurden aus organischem Material, wie den Röhrenknochen von großen Säugetieren oder aus Hirschgeweih hergestellt. Ins Wasser gelassen wurden sie vermutlich an einer Leine aus Bast, Leder oder Sehne. Eine Durchlochung oder eingekerbte Rillen am oberen Ende des Hakens dienten zur Befestigung der Angelschnur.
Noch heute beeindrucken die Maße vieler Artefakte, denn die durchschnittliche Länge der Stücke variiert zwischen 8 und 15 Zentimetern. Der knöcherne Angelhaken im Bildvordergrund stammt aus Dreetz, im Landkreis Ostprignitz-Ruppin, und misst sogar stattliche 18 Zentimeter. Im Vergleich zu heutigen Angelhaken aus Metall wird die Größe des Fundstücks besonders deutlich. Derart opulente Angelhaken eigneten sich für den Fang von sehr großen Fischen wie Hecht oder Wels. Doch auch andere Fangtechniken waren bekannt. Man nutzte nachweislich bereits Reusen, Netze und Aalstecher.
Gemeinhin gelten die markant gebogenen Angelhaken als „Erfindung“ der Mittleren Steinzeit, doch wirft eine Entdeckung aus dem Havelland ein neues Licht auf diese Annahme. Der Fundplatz Wustermark 22 erbrachte zahlreiche Artefakte, die die Anwesenheit altsteinzeitlicher Jäger vor etwa 12 000 Jahren belegen. Das Fundgut ließ die Forscher staunen, denn insgesamt sechs, z. T. fragmentierte Angelhaken aus organischem Material konnten geborgen werden.
Die nähere Untersuchung der Stücke führte zu einer weiteren Überraschung: Ein Angelhaken (rechts im Bild) war aus dem Stoßzahn eines Mammuts gefertigt. Das Tier hatte jedoch vor etwa 18 000 Jahren gelebt und war somit weitaus älter als die endpaläolithischen Angler. Die Menschen hatten das fossile Elfenbein offenbar gefunden und zur Herstellung eines Angelhakens verwendet.


Schmuck aus Hirschzähnen

Fundort: Groß Fredenwalde
Foto © AtelierThomasBartel, BLDAM

Als 1962 bei Bauarbeiten in Groß Fredenwalde menschliche Knochen zutage kamen, rief man zunächst die Kriminalpolizei. Doch ein hinzugezogener Bodendenkmalpfleger deutete die menschlichen Überreste sofort als prähistorische Bestattung. Diese Entdeckung markierte den Beginn der bis heute andauernden Untersuchung des Areals.
Auf dem „Weinberg“, einer Erhebung in der seenreichen Uckermark, wurden bisher neun Individuen geborgen, die von der Mittleren Steinzeit bis in die frühe Phase der Sesshaftwerdung datieren (ca. 6400 bis 4900 v. Chr.). Somit ist Groß Fredenwalde ein in jeglicher Hinsicht herausragender Fundplatz: Mesolithische Bestattungen werden ausgesprochen selten entdeckt. Noch seltener ist der Nachweis mehrerer Beisetzungen an ein und demselben Ort.
Die bekannten Bestattungen umfassen die Gräber einer Frau und eines Kindes, die von zwei Männern und zwei Kindern, sowie die Beisetzungen eines Kindes, eines Säuglings und eines jungen Mannes. Die Grabgruben waren, wie für diese Zeit nicht unüblich, mit rotem Sand bzw. Ocker ausgestreut, und verleihen Artefakten wie Knochen bis heute eine markante rötliche Färbung. Auch Beigaben in Form von Flintklingen und -abschlägen, Lehmkugeln, Pfeilspitzen, Knochenahlen, Knochendolchen und eines Flintschneidendolches mit Verzierung konnten geborgen werden.
Zu den Beigaben zählen auch gelochte Tierzähne, von denen 41 bei den Ausgrabungen 1962 freigelegt wurden. Die Durchbohrungen lassen erahnen, dass die Zähne einst als Schmuck Verwendung fanden. Der Fund von einigen, noch an einem Kinderschädel anhaftenden Schneide- und Eckzähnen vom Rothirsch belegen dies eindrücklich. Ob diese Tierzähne einst auf einer Kopfbedeckung aufgenäht waren oder als eine Art Stirnband getragen wurden, lässt sich jedoch nicht mehr ermitteln.
Schmuck aus Tierzähnen und -krallen sowie aus Geweihen, Muscheln und Knochen ist mehrfach aus steinzeitlichen Kontexten überliefert. Die Stücke wurden als Anhänger bzw. als regelrechte Colliers getragen, auf der Kleidung angebracht oder gehörten zu verschiedensten Kopfbedeckungen. In spät- und mittelsteinzeitlichen Bestattungen finden sich immer wieder auch filigrane, durchbohrte Schneckengehäuse, die wohl ursprünglich die Kleidung zierten.


Zweireihige Harpune

Fundort: Zeestow / Havelland
Foto © AtelierThomasBartel, BLDAM

Im Vorfeld des Ausbaus des Havelkanals wurden in den Jahren 2006 und 2007 archäologische Untersuchungen in Zeestow vorgenommen. Der Ort liegt an der Wublitzrinne, einem teilweise versumpften Nebenarm der Havel. Dieses Gebiet zeichnet sich, wie das Havelland allgemein, durch eine hohe Zahl an alt- und mittelsteinzeitlichen Fundplätzen aus, darunter der Fundplatz Zeestow 4.
Im Zuge der Ausgrabung, die eine zeitweise Grundwasserabsenkung notwendig machte, kamen zahlreiche vorgeschichtliche Funde und Befunde zutage.
Zu den ältesten Artefakten aus Zeestow gehören zwei nahezu vollständige Widerhakenspitzen aus Geweih. Fragmente weiterer Widerhakenspitzen konnten ebenfalls identifiziert werden.
Mit etwa 21 cm gehört die abgebildete zweireihige Harpune bislang zu den größten Exemplaren dieser Art in Brandenburg. Ihre besonders sorgfältige Ausführung belegt das große handwerkliche Geschick des einstigen Herstellers. Die Datierung des Stückes fällt in den finalen Abschnitt der Altsteinzeit um etwa 10 000 v. Chr. Zu dieser Zeit sanken die Temperaturen noch einmal merklich. Die Ausbildung einer Tundrenlandschaft mit vereinzeltem Baumstand aus Kiefern und Birken sowie das Einwandern kälteresistenter Tierarten waren die Folge.
Während dieser Zeit lebten in weiten Teilen Nordmitteleuropas Gruppen der so genannten Ahrensburger Kultur. Diese Wildbeuter der späten Eiszeit ließen sich nicht dauerhaft nieder, sondern zogen den großen Rentierherden, ihrer Hauptversorgungsquelle, hinterher. Spuren einstiger Jagdstationen lassen sich archäologisch zum Beispiel anhand von Herstellungsresten, Schlachtabfällen oder verloren gegangenen und weggeworfenen Geräten oder Feuerstellen ausmachen.
Die hochspezialisierten Jäger verfügten über ausgeklügelte Jagdstrategien und das dazugehörige Waffenarsenal. Hierzu gehörten neben langstieligen Steinprojektilen für die Jagd mit Pfeil und Bogen auch Harpunen, mit denen Holzspeere bewehrt wurden. Die Harpunen dieser Zeit sind meist aus Rentiergeweih gefertigt und tragen einseitig oder beidseitig Widerhakenreihen. Die Stücke waren nicht fest mit dem Speerschaft verbunden, sondern nur eingeklemmt und am Ende mit einer Leine gesichert. Beim Eindringen in das Fleisch des Beutetieres löste sich die Harpune und blieb stecken. Diese Jagdtechnik war besonders effektiv beim Fischfang, der in den kommenden Jahrhunderten eine immer größere Rolle in der Nahrungsbeschaffung einnehmen sollte.


Backenzahn eines Wollhaarmammuts

Foto © AtelierThomasBartel, BLDAM

Der imposante Backenzahn eines Wollhaarmammuts stammt aus der Umgebung von Mittenwalde im Landkreis Dahme-Spreewald.
Wie seine Artgenossen war auch dieses Tier mit einem dichten Fell ausgestattet und somit bestens an die klimatischen Bedingungen einer Eiszeit angepasst. Bereits aus der Saale-Kaltzeit vor etwa 200 000 Jahren gibt es Belege für die Anwesenheit der haarigen Riesen in Mitteleuropa. Besonders weit verbreitet war das Wollhaarmammut in der darauffolgenden Weichsel-Kaltzeit vor 115 000 bis etwa 12 000 Jahren. Sein Lebensraum reichte nun von Nordamerika über weite Teile Europas bis nach Asien.
Wollhaarmammuts hatten in etwa die Größe eines heutigen Elefanten. Ihre Statur und vor allem die Extremitäten waren jedoch gedrungener. Das Gebiss bestand nur aus den mächtigen Stoßzähnen sowie den langovalen Backenzähnen. Letztere wurden im Laufe des Lebens mehrfach abgestoßen und erneuert – doch nach drei Milchmolaren und drei Dauermolaren fand diese Gebissüberholung ein Ende.
Die Backenzähne mit ihrer auffälligen Lamellenkrone waren notwendig für die Nahrungsaufnahme- und zerkleinerung, denn Mammuts ernährten sich hauptsächlich von Gräsern, die sie neben Moosen und Baumteilen in großen Mengen verspeisten – das bestätigen auch die zum Teil erhaltenen Mageninhalte von mumifizierten Mammuts aus den Permafrostböden Sibiriens und Nordamerikas.
Die Begegnung zwischen dem Mammut und unseren Vorfahren lässt sich vereinzelt auch archäologisch nachweisen. So wurde die berühmte Skulptur des Löwenmenschen von Hohlenstein-Stadel (etwa 40 000 v. Chr.) aus Mammut-Elfenbein gefertigt. Dass das Mammut ebenfalls als Motiv diente, zeigen eine kleine Elfenbeinfigur aus der Vogelherdhöhle im Lonetal (etwa 40 000 v. Chr.) sowie die Höhlenmalereien in der Grotte de Rouffignac in der Dordogne (etwa 15 000 v. Chr.).
Eine überraschende Verwendung fand das Mammut an einem jungpaläolithischen Lagerplatz im ukrainischen Meschyritsch. Hier entdeckte man Überreste von mehreren Rundhütten, deren Gerüste aus Mammutknochen bestanden (etwa 13 000 v. Chr.).
Wie auch andere Vertreter der Megafauna starb das Mammut mit dem Ende der letzten Eiszeit aus. Der kontinuierliche Temperaturanstieg, eine drastisch veränderte Umwelt und die menschliche Bejagung werden als Gründe für sein Verschwinden vermutet.


Eine Vogelschale aus Klein Döbbern

Eine Vogelschale aus Klein Döbbern im Landkreis Spree-Neiße

Foto © AtelierThomasBartel, BLDAM

Kontaktnetzwerke, Metallurgie oder die Entstehung einflussreicher Eliten - die Bronzezeit hat zahlreiche Innovationen und Themenschwerpunkte zu bieten. Wenig bekannt ist jedoch, dass dieser Zeitabschnitt auch für Vogelfreunde Interessantes bereithält.
So ist der Wasservogel ein weit verbreitetes Motiv der ausgehenden Bronzezeit. Er begegnet uns – in unterschiedlicher Ausführung – als figürlicher Aufsatz, als Verzierung diverser Artefakte sowie als tönerne Rassel. Wir wissen nicht, welche Rolle Wasservögel in der Vorstellungswelt der bronzezeitlichen und früheisenzeitlichen Menschen einnahmen.
Möglicherweise galten sie als Mittler zwischen den Elementen, denn sie waren auf dem Land, im Wasser und in der Luft zu Hause.
Besonders selten im Fundmaterial sind so genannte Vogelschalen. Hierbei handelt es sich um Tonschalen, in deren Mitte tönerne Vogelfiguren auf kleinen Tonsockeln aufgesteckt sind. Nur zwei erhaltene Vogelschalen sind bisher bekannt, zwei weitere Exemplare werden in Aufzeichnungen erwähnt, gelten jedoch als verschollen. Auffallend ist, dass die in Ostdeutschland lokalisierten Fundplätze räumlich dicht beieinander liegen und Bezug auf den Verlauf der Spree bzw. ihrer Zuflüsse zu nehmen scheinen.
Die Vogelschale aus Klein Döbbern wurde im Jahr 1967 auf einem jüngstbronzezeitlichen Flachgräberfeld am Stausee Bräsinchen / Spremberg freigelegt. Die zum Typ der Omphalosschalen gehörige Keramik lag in einem mit weiterem Tongeschirr ausgestatteten Brandgrab, das von einer teilweise erhaltenen Steinsetzung umgeben war. Die Datierung der Schale weist in die Lausitzer Kultur des 10. bis 8. Jahrhunderts v. Chr.
Die kleine Schale hat einen Durchmesser von 15 cm. In ihr thronen drei hohle, gleich große Vogelplastiken. Alle drei entenähnlichen Figuren tragen eine Rillenverzierung, die das Vogelgefieder darstellen soll. Auch die Augen der Tiere sind stilisiert angedeutet.
Die Vogelschale dürfte – ähnlich wie flache Henkelschalen, henkellose Omphalosschalen, kleine Kännchen und Tassen – mit zeitgenössischen, möglicherweise kultisch geprägten Trinksitten in Zusammenhang stehen. In der Tat stellt dieses Fundstück ein besonderes Trinkgefäß dar: Füllt man die Vogelschale mit einer Flüssigkeit, vermitteln die Plastiken den Eindruck einträchtig nebeneinander schwimmender Vögel.


Gefäße der Havelländischen Kultur

Aufwendig verzierte Gefäße der Havelländischen Kultur

Foto © AtelierThomasBartel, BLDAM

Um etwa 5200 v. Chr. begann im Gebiet zwischen Oder und Elbe die Jungsteinzeit. In der etwa dreitausend Jahre währenden Epoche hielt nicht nur die sesshafte Lebensweise, und mit ihr Ackerbau und Viehzucht, Einzug in das Leben der Menschen. Auch das Töpferhandwerk ist eine nicht zu unterschätzende Neuerung dieser Zeit.
Die jungsteinzeitlichen Gefäße lagen nicht nur ihren einstigen Besitzern am Herzen, die sie als Ess- und Trinkgeschirr sowie als Schöpfgefäße und Vorratsbehälter verwendeten. Auch für die Archäologie sind die keramischen Hinterlassenschaften von enormer Bedeutung.
Mehrfach sind sogar ganze archäologische Kulturen der Jungsteinzeit nach einer keramischen Leitform benannt.
Auch die Töpfereierzeugnisse der Havelländischen Kultur gelten als regelrechtes Markenzeichen dieser im unteren Havelgebiet und der Uckermark verbreiteten Gruppe des Mittelneolithikums.
Die abgebildeten Keramiken aus Päwesin, Butzow und Dreetz (v.l.n.r.) dürfen im wahrsten Sinne als Musterbeispiele der Havelländischen Kultur gelten. Noch heute beeindruckt die feine Ausführung der Verzierungen und die Ästhetik dieser etwa 5000 Jahre alten Gefäße.
Charakteristisch für die Keramik der Havelländischen Kultur sind die reichen, beinahe teppichartigen Verzierungen der Gefäße, die aus verschiedenen Stich-, Ritz- und Stempelmustern bestehen können. Auch Knubben, Ösen oder warzenähnliche Fortsätze sind vereinzelt an Tassen, Amphoren und Töpfen bzw. Hängegefäßen angebracht worden. Selten haben sich sogar Reste einer weißen Inkrustation in den eingestochenen Mustern erhalten. Derartige Verzierungen kamen besonders eindrucksvoll zur Geltung.
Die aufwendig gestalteten Gefäße gelangten oftmals als Beigaben in die Körpergräber jener Zeit, doch sind auch Funde aus Siedlungen bekannt.


Ein Keulenkopf aus Criewen

Ein Keulenkopf aus Criewen in Schwedt/Oder

Foto © AtelierThomasBartel, BLDAM

Im Jahr 1958 spielten Kinder auf einer Geländekuppe am Lauf der Alten Oder bei Criewen. Hierbei stießen die überraschten Schüler auf menschliche Knochen. Die sterblichen Überreste wurden 1961/62 fachgerecht vom Museum für Ur- und Frühgeschichte, unter der Leitung von Horst Geisler, freigelegt und untersucht.
Es fanden sich zwei, teilweise gestörte Bestattungen, die auf der Kuppe des Rollmannsberges eingetieft waren. In beiden Fällen barg man ein von Rotsand umgebenes Männerskelett in gestreckter Rückenlage mitsamt diversen Beigaben. Auf den ersten Blick folgen beide Befunde der Beisetzungstradition mesolithischer Jäger und Sammler. Radiokarbonanalysen datieren beide Gräber auf 4700 bis 4500 v. Chr., und somit in die Übergangsphase zwischen Mittel- und Jungsteinzeit.
In dieser Zeit war das heutige Brandenburg dicht bewaldet. Mobile oder semi-sesshafte Gruppen von Jägern, Sammlern und Fischern lebten in diesen Weiten. In Gebiete mit fruchtbaren Lößböden wanderten nun erste Ackerbauern und Viehzüchter ein, die sich hier permanent niederließen. Über viele Generationen lebten mittelsteinzeitliche Jäger und Sammler und die jungsteinzeitlichen Dorfbewohner nebeneinander her – doch nicht ohne Kontakte, wie es scheint.
Ein Beleg hierfür könnte Grab 1 aus Criewen sein. In ihm lag ein etwa 25-jähriger Mann, dem man einen Knochendolch und eine Feuersteinklinge mitgegeben hatte. Weiterhin fanden sich 36 durchlochte Schneckengehäuse, die einst als Kleiderbesatz gedient haben dürften. Zu den Grabbeigaben gehörte auch ein Keulenkopf aus hellem, mamorähnlichem Kalkstein.
Dieses apfelförmige, mittig durchbohrte Artefakt misst 7,5 cm in der Breite und 5,8 cm in der Höhe. Reste einer Schäftung sind nicht erhalten, doch ist eine rezente Bruchnaht erkennbar. Steinerne Keulenköpfe sind aus mittel- sowie aus jungsteinzeitlichen Kontexten bekannt. Meist werden sie als schlagkräftige Waffen, aber auch als Statussymbole und Arbeitsgeräte gedeutet. Marmorne Keulenköpfe sind jedoch untypisch für das Mesolithikum und weisen in die Rössener Kultur, in der bereits sesshafte Gruppen Ackerbau und Viehzucht betrieben. Ihren Verbreitungsschwerpunkt hat diese neolithische Kultur in Mitteldeutschland, doch reichen versprengte Ausläufer bis in die Uckermark. So werden beispielsweise zwei geglättete Marmorarmringe aus einem Grab in Grünow bei Prenzlau ebenfalls als Rössener Einfluss gedeutet.
Wie der Keulenkopf in den Besitz und schließlich in das Grab des jungen Mannes gelangte, wird sich nicht mehr klären lassen. Die Kontakte und den wechselseitigen Einfluss zwischen mesolithischen Jägergruppen und frühen Bauern werden zukünftige Forschungen jedoch mit Sicherheit weiterverfolgen.