Archäologie Aktuell

Um der Öffentlichkeit einen Einblick in die aktuelle archäologische Forschung und eine Vorstellung von den interessanten prähistorischen Hinterlassenschaften zu geben, bietet das Archäologische Landesmuseum Brandenburg eine Vortragsreihe an, bei der Experten aus Archäologie, Geschichtswissenschaft und Nachbardisziplinen Neues aus ihren Forschungsprojekten präsentieren. Die Geschichte und Archäologie des Landes Brandenburg stehen im Zentrum dieser Vortragsreihe. Es werden aber auch Themen und Forschungsvorhaben vorgestellt, die über Brandenburgs Grenzen hinaus weisen.

Termin: jeden ersten Mittwoch im Monat
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Eintritt: frei


01.03.2023

Kaiser- bis völkerwanderungszeitlicher Brunnenbau in Buschow, Lkr. Havelland und darüber hinaus

Mi 01.März 2023, 18.30 Uhr

Jens Greif M.A., BLDAM

Wasser als überlebenswichtige Ressource spielte in der Menschheitsgeschichte schon immer eine wichtige Rolle, sodass entsprechenden Befunden auch in der Archäologie schon häufig Bedeutung beigemessen worden ist.
Gerade Fragen zu Brunnenbau und Wasserversorgung kaiser- bis völkerwanderungszeitlicher Siedlungen außerhalb des Römischen Reiches spielten jedoch lange eine untergeordnete Rolle. Im Rahmen des Baus der ICE-Trasse Berlin-Hannover wurden nördlich des Dorfes Buschow in den 1990er Jahren Teile einer größeren Siedlung des 2.-5. Jhs. n. Chr. ausgegraben und dokumentiert.
Neben der für diese Zeit typischen Wohn- und Wirtschaftsbebauung wurden hier auch mehrere gut erhaltene, hölzerne Brunnenschächte freigelegt, die als Ausgangspunkt für eine überregional angelegte Studie zu Fragen des Brunnenbaus und der Wasserversorgung germanischer Siedlungen dienten.

Datum: 01.03.2023
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Veranstaltungsort: Archäologisches Landesmuseum Brandenburg / Vortragsraum

Der Eintritt ist frei.


03.05.2023

Brandenburg an der Havel – Stadterweiterung und Nachverdichtung der mittelalterlichen Stadt in der frühen Neuzeit

Mi 03.05.2023, 18.30 Uhr

Dr. Joachim Müller, Stadt Brandenburg an der Havel / Fachgruppe Denkmalschutz

Die Doppelstadt Brandenburg an der Havel geht auf eine slawische Burg und eine spätslawische frühdeutsche Siedlungsagglomeration zurück, bei der ab 1180 zwei Städte gegründet und mindestens teilweise planmäßig angelegt wurden, die Altstadt und die Neustadt Brandenburg.
Die mittelalterliche Parzellenstruktur zeichnet sich durch große Grundstücke mit Braurecht aus, die auf dem Kataster von 1722/24 noch gut nachvollziehbar sind. In der frühen Neuzeit, im 16., vor allem nach 1680 kommt es zur Neuerschließung zahlreicher Parzellen, die teils im öffentlichen Raum, in der Peripherie der Stadt oder auf Kosten der vorhandenen Grundstücke abgesteckt wurden.
Man darf damit rechnen, dass die Zahl der städtischen Parzellen in Brandenburg auf diese Weise auf das vier- bis fünffache des mittelalterlichen Kernbestandes erhöht wurde. Dieses Phänomen ist bisher in der Stadtgeschichtsforschung völlig übersehen worden, ihm wird anhand der Überlagerung von Karten, Ergebnissen archäologischer Grabungen und Untersuchungen im Hausbestand nachgegangen.

Termin: 03.05.2023
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Veranstaltungsort: Archäologisches Landesmuseum Brandenburg / Vortragsraum

Der Eintritt ist frei.


05.07.2023

Die kaiser- bis völkerwanderungszeitliche Besiedlung am Liebenberger See

Mi 05.07.2023, 18.30 Uhr

Susen Döbel M.sc.

Umfangreiche Spuren einer Siedlung der späten römischen Kaiserzeit bis frühen Völkerwanderungszeit traten bei Ausgrabungen Ende 2018 bis Anfang 2019 östlich des Liebenberger Sees auf dem Fundplatz Kienbaum 7 zu Tage.
Auf der ca. einen Hektar großen Untersuchungsfläche konnten hier 35 teils sehr dicht beieinander liegende Grubenhäuser, mehrere Langhäuser, Speichergebäude und Zaunstrukturen dokumentiert werden. Im Umfeld der aktuellen Untersuchungsfläche wurde zudem bereits mehrfach durch archäologische Untersuchungen eine intensive Siedlungstätigkeit von der Eisenzeit bis zur Völkerwanderungszeit nachgewiesen. Auch Hinweise auf ein Gräberfeld lassen sich den Ortsakten des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege entnehmen. Das geborgene Fundmaterial umfasst unter anderem eisen- bis kaiserzeitliche Keramik, römische Importwaren und ein reichhaltiges Ensemble von Metallfunden wie Messer und Fibeln. Die Auswertung der bisher gewonnenen Daten versprechen einen hohen Erkenntnisgewinn zur Entwicklung und Struktur dieser Mikroregion und darüber hinaus zur Siedlungstätigkeit im östlichen Brandenburg während des 1.-5./6. Jahrhunderts n. Chr.
Im Vortrag wird das Siedlungsgebiet beleuchtet, es werden herausragende Funde und Befunde aller Grabungskampagnen präsentiert und dem Publikum die erste Ergebnisse der Auswertung vorgestellt.

05.07.2023
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Veranstaltungsort: Archäologisches Landesmuseum Brandenburg / Vortragsraum

Der Eintritt ist frei.


01.11.2023

Totenrituale der Jäger-Sammler – Das steinzeitliche Gräberfeld von Groß Fredenwalde, Uckermark

Mi 01.11.2023, 18.30 Uhr

Andreas Kotula, BLDAM

??Es ist naheliegend, Gräberfelder mit den ersten sesshaften Menschen ab der Jungsteinzeit zu verbinden. Es gibt allerdings auch ältere Bestattungsplätze, obwohl eine nomadische Lebensweise ungeeignet erscheint, Verstorbene immer wieder an demselben Ort zu bestatten.
In den letzten Jahren konnten neue Forschungen am Fundplatz Groß Fredenwalde in der Uckermark das bedeutendste Gräberfeld einer mittelsteinzeitlichen Jäger-Sammler-Population in Deutschland belegen.
Um die Zeit vor etwa 8000 Jahren wurden hier wiederholt Menschen mit reichen Beigaben und ungewöhnlichem Grabritual bestattet. Die Funde geben einzigartige Einblicke in die Welt der späten Jäger-Sammler in Norddeutschland und darüber hinaus.

01.11.2023
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Veranstaltungsort: Archäologisches Landesmuseum Brandenburg / Vortragsraum

Der Eintritt ist frei.


»Schon was gefunden?« – Ein Frage-und-Antwort-Podcast

 

Die diesjährigen Europäischen Archäologietage sind für das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum ein willkommener Anlass, sich den Fragen der Interessierten zu stellen.
Was muss ich machen, wenn ich einen vermeintlichen Fund entdecke?
Wie viele Ausgrabungen gibt es im Land Brandenburg jährlich?
Und wer entscheidet, welches Artefakt ins Museum kommt?
Diese und andere Fragen werden in unserer Podcast-Folge zu den Europäischen Archäologietagen beantwortet.
Den Podcast kann man ab dem 18. Juni über folgenden Link hören: https://hyg7ey.podcaster.de


Hier geht's zur Online-Premiere des Archäologie-Jahresfilms – Bitte auf das Bild klicken

 

 

 

 

01.02.2023

Abgetauchte Landesgeschichte. Unterwasserarchäologische Forschungen in Brandenburg

Mi. 1. Februar 2023, 18.30 Uhr

Lukas Goldmann M.A., BLDAM

Mit über 3000 Seen und Hunderten von Flüssen, Fließen und Gräben zählt das Land Brandenburg zu den gewässerreichsten Regionen in Deutschland.
Trotzdem wird es von den meisten nicht gerade mit Unterwasserarchäologie in Verbindung gebracht, bei der man eher goldgefüllte Schiffswracks in tropisch klaren Ozeanen denkt. Doch da Menschen zu allen Zeiten am, um und sogar auf dem Wasser lebten, kann es nicht überraschen, dass in den zahllosen Gewässern Brandenburgs ein reiches Archiv menschlicher Besiedlungsgeschichte lagert - oft erstaunlich gut geschützt vor dem Zahn der Zeit.
Dieser Vortrag soll einen Einblick in die oft schwierige Dokumentationsarbeit an solchen unterwasserarchäologischen Fundstellen geben.

Datum: 01.02.2023
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Veranstaltungsort: Archäologisches Landesmuseum Brandenburg / Vortragsraum

Der Eintritt ist frei.


05.04.2023

Leben zwischen den Welten – was Muscheln, Enten und raue Töpfe über die Bronzezeit erzählen

Mi 05.April 2023, 18.30 Uhr

Dr. Bianka Nessel, Johannes-Gutenberg Universität Mainz

In vielen Perioden der Vor- und Frühgeschichte ist das nördliche Brandenburg Teil bedeutender Kontakt- und Transitzonen für den Austausch von Waren, Wissen und Menschen.
Der Barnim ist für die Bronzezeit in dieser Hinsicht bisher wenig untersucht, weshalb neue, zwischen 2020 und 2022 durchgeführte Ausgrabungen in Lanke, Kreis Barnim besonders spannend waren. Es konnten in drei Ausgrabungskampagnen Teile einer spätbronzezeitlichen Siedlung ausgegraben werden, die nicht nur neue Erkenntnisse zum Hausbau und zur Wirtschaftsweise in der Region erbrachten, sondern auch allerlei Überraschungen in Form von ungewöhnlichen Funden bereithielten.
Zu diesen gehören Miniaturen von Bronzen und Tonobjekten sowie ein großer, sorgfältig in eine Grube gelegter Muschelhaufen mit Überresten von ca. 200 Tieren.
Der Vortrag gibt Einblicke in die neuesten Forschungsergebnisse der Grabungen und stellt sie in einen größeren kulturhistorischen Zusammenhang.

Datum: 05.04.2023
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Veranstaltungsort: Archäologisches Landesmuseum Brandenburg / Vortragsraum

Der Eintritt ist frei.


07.06.2023

Von Svantevit in der Burg von Arkona zu Peter und Paul im Brandenburger Dom. Der Glaubenswechsel im Mittelalter östlich der Elbe

Mi 07.06.2023, 18.30 Uhr

Prof. Dr. Eike Gringmuth-Dallmer

Was wissen wir eigentlich von der Religion der Slawen und davon, in welcher Weise sich ihre Ablösung durch das Christentum vollzogen hat? War es nur die Macht der neuen Herrscher, missionarische Überzeugungsarbeit oder beides? Und gab es Anknüpfungspunkte?
Der Vortrag versucht, durch Zusammenführung der schriftlichen und archäologischen Quellen Antworten auf diese Fragen zu finden.

07.06.2023
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Veranstaltungsort: Archäologisches Landesmuseum Brandenburg / Vortragsraum

Der Eintritt ist frei.


02.08.2023

Begraben im märkischen Sand. Das Gräberfeld von Lüsse, Lkr. Potsdam-Mittelmark

Mi 02.08.2023, 18.30 Uhr

Rainer Bartels M.A., BLDAM

Das Gräberfeld von Lüsse östlich von Bad Belzig im Landkreis Potsdam-Mittelmark gilt als eines der größten und besterhaltenen bronzezeitlichen Hügelgräberfelder Brandenburgs. Eine Kartierung im Jahre 1962 erfasste mindestens 130 Grabhügel der jüngeren Bronzezeit mit eisenzeitlichen Nachbestattungen. Der Ausbau der Bundesstraße B 246 zwischen Bad Belzig und Lüsse war der Anlass für archäologische Untersuchungen des BLDAM in den Jahren 2017 und 2018.
Bei der Brücke über die Bahnlinie von Berlin nach Bad Belzig wurden 42 Urnenbestattungen, sieben Brandschüttungsgräber und vier Scherbenpflaster dokumentiert. Neben einzelnen Urnen, die oberflächennah und oft stark beschädigt vorgefunden wurden, kamen dort auch reich ausgestattete Bestattungen vor, die interessante Rückschlüsse auf unterschiedliche Grabbauten und spezielle Bestattungsriten ermöglichen.

02.08.2023
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Veranstaltungsort: Archäologisches Landesmuseum Brandenburg / Vortragsraum

Der Eintritt ist frei.


04.10.2023

Vom Hängen, Köpfen und Verbrennen - Archäologische Funde auf den Richtstätten des Mittelalters und der Neuzeit in Brandenburg

Mi 04. Oktober 2023, 18.30 Uhr

Dr. Marita Genesis

Archäologisch erfasste Richtstätten gehören noch immer zu den seltenen Befunden im Bereich der Rechtsarchäologie. Schriftliche Quellen lassen erkennen, dass seit dem Mittelalter auch in Brandenburg auf weithin sichtbaren Plätzen öffentlich gerädert, geköpft und ertränkt wurde. Doch was passierte nach der Hinrichtung mit den Opfern? Ein christliches Begräbnis wurde ihnen häufig verwehrt, so dass ihre Überreste an Ort und Stelle „verlocht“ wurden. Fesselung, atypische Körperhaltung und die Beschwerung mit Steinen weisen zudem auf die abergläubische Angst der damaligen Gemeinschaft vor der Wiederkehr der Toten hin.
Archäologisch lassen sich hierbei bereits Todesstrafen, wie das Erhängen, Ertränken oder die Dekapitation herausfiltern. Im Zuge der anthropologischen Betrachtungen des Knochenmaterials können die typischen Merkmale der in der Rechtsprechung festgehaltenen Urteile wie Rädern, Enthaupten oder Verbrennen nachgewiesen werden. Die geborgenen Skelette vermögen noch heute ein beredtes Zeugnis ihres einstigen Strafvollzuges aufzuzeigen.

04.10.2023
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Veranstaltungsort: Archäologisches Landesmuseum Brandenburg / Vortragsraum

Der Eintritt ist frei.


06.12.2023

Menschen unterwegs. Mobilität und Migration in der jüngeren vorrömischen Eisenzeit

Mi 06.12.2023, 18.30 Uhr

Prof. Dr. Dr. Michael Meyer, FU Berlin

Im dritten bis ersten Jahrhundert v. Chr. lassen sich verschiedene Migrationsbewegungen in Mittel- und Südosteuropa nachweisen. Kleine und größere Gruppen haben sich auf den Weg gemacht, um eine neue Heimat zu finden.
Der Vortrag zeichnet zwei dieser Migrationsbewegungen nach, die – mit ganz unterschiedlichem Ziel – den brandenburgischen Raum unmittelbar betroffen haben: die Wanderung von Gruppen der polnischen Przeworsk-Kultur nach Westen bis nach Nordthüringen und die Migration ostdeutscher Jastorf-Gruppen in das Gebiet zwischen dem Karpatenbogen und dem Dnjestr.
Zunächst geht es dabei um die Frage, wie man mit archäologischen Methoden überhaupt Wanderungen nachweisen kann – im Anschluss wird die Frage gestellt, warum die Menschen aufgebrochen sind, wie man sich eine solche Migration konkret vorstellen muss und wie die Neuansiedlung und die Integration in die bestehenden Gesellschaften von statten ging.

Datum: 06.12.2023
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Veranstaltungsort: Archäologisches Landesmuseum Brandenburg / Vortragsraum

Der Eintritt ist frei.