Vorträge zur Archäologie – Archäologie aktuell

Um der Öffentlichkeit einen Einblick in die aktuelle archäologische Forschung und eine Vorstellung von den interessanten prähistorischen Hinterlassenschaften zu geben, bietet das Archäologische Landesmuseum Brandenburg eine Vortragsreihe an, bei der Experten aus Archäologie, Geschichtswissenschaft und Nachbardisziplinen Neues aus ihren Forschungsprojekten präsentieren. Die Geschichte und Archäologie des Landes Brandenburg stehen im Zentrum dieser Vortragsreihe. Es werden aber auch Themen und Forschungsvorhaben vorgestellt, die über Brandenburgs Grenzen hinaus weisen.

Termin: jeden ersten Mittwoch im Monat
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Eintritt: frei



Neu entdeckt – Prächtiger Bronzeschmuck aus dem Land Brandenburg

05.05.2020 18.30 Uhr

Prof. Dr. Franz Schopper, BLDAM

In den sogenannten Hohlwulstringen treten uns die wuchtigsten und eindrücklichsten Vertreter spätbronzezeitlichen bzw. früheisenzeitlichen Schmucks entgegen. Nach über einem halben Jahrhundert kamen 2018 und 2019 erstmals wieder derartige Objekte im Rahmen archäologischer Prospektion und Grabungen in den Landkreisen Uckermark und Dahme-Spree zu Tage. Die neuen Stücke sind sehr gut erhalten und ergänzen die im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg ausgestellten Exemplare aus Potsdam-Bornim ganz hervorragend.
Wuchtig wirkend aber hohl, gehören sie zu den hervorragenden Erzeugnissen prähistorischer Bronzeverarbeitung, deren Details es zu analysieren gilt. In ihrer Verbreitung in Skandinavien, Norddeutschland und entlang der polnischen Ostseeküste lassen sich regionale Spezifika der meist in Horten gefundenen Hohlwulstringe herausarbeiten.


Begraben im märkischen Sand. Das Gräberfeld von Lüsse, Lkr. Potsdam-Mittelmark

01.07.2020 18.30 Uhr

Rainer Bartels M.A., BLDAM, Referat Großvorhaben/ Sonderprojekte

Das Gräberfeld von Lüsse im Landkreis Potsdam-Mittelmark gilt als eines der größten und besterhaltenen bronzezeitlichen Hügelgräberfelder Brandenburgs. Eine Kartierung im Jahre 1962 erfasste mindestens 130 Grabhügel der jüngeren Bronzezeit mit eisenzeitlichen Nachbestattungen. Allerdings sind zahlreiche Zerstörungen von Gräbern unter anderem durch Sandabbau, Raubgrabungen und vor allem durch die Aufforstung der Flächen zu Beginn des 20. Jahrhunderts überliefert. Der Ausbau der Bundesstraße B 246 zwischen den Ortschaften Bad Belzig und Lüsse, die den südlichen Teil des Gräberfeldes schneidet, war der Anlass für archäologische Untersuchungen des BLDAM in den Jahren 2017 und 2018. Die großflächigen Ausgrabungen an der B 246 konzentrierten sich auf einen 150 m langen Abschnitt beiderseits der Brücke über die Bahnlinie von


Lagerarchäologie in Berlin und Brandenburg Vortrag zur kommenden Sonderausstellung „Ausgeschlossen”

02.09.2020 18.30 Uhr

Dr. Thomas Kersting, BLDAM, Dr. Juliane Haubold-Stolle

Die Ausstellung, die ab dem 08.10.2020 im Archäologischen Landemuseum Brandenburg zu sehen sein wird, nähert sich dem Thema „Nationalsozialistische Zwangslager“ anhand von archäologischen Funden.
Objekte von 20 Lagerstandorten in Berlin und Brandenburg zeugen vom Leben und Überleben in den nationalsozialistischen Zwangslagern, von der rassistischen Ideologie und der Verstrickung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft in die NS-Verbrechen. Zu den Funden gehören Relikte der Unterdrückung und des Terrors wie Stacheldraht und Patronenhülsen, aber auch Alltagsgegenstände wie Teller und Tassen. Firmenausweise und Produktionsteile belegen die Zwangsarbeit, die geleistet werden musste. Selbstgefertigte und namentlich gekennzeichnete Objekte erzählen vom Versuch, sich angesichts der schwierigen Bedingungen in den Lagern selbst zu behaupten. Auch der Umgang mit den Lagern nach 1945 wird thematisiert.
Ergebnisse zweier Jugendbegegnungen zeigen, wie zeithistorische Archäologie Geschichte begreifbar macht und in die Bildungsarbeit integriert werden kann.

Groß Fredenwalde 2.0 – Neues von Deutschlands ältestem Gräberfeld in der Uckermark

01.04.2020 18.30 Uhr

Prof. Dr. Thomas Terberger/ Dr. Andreas Kotula

Gräber aus der Zeit der nacheiszeitlichen Jäger-Sammler sind aus Mitteleuropa nur sehr selten überliefert. Eine sensationelle Ausnahme bildet der mittelsteinzeitliche Bestattungsplatz auf dem Weinberg bei Groß Fredenwalde in der Uckermark: 2014 konnten bei Nachforschungen an dem seit 1962 bekannten Fundplatz vier neue Gräber aus der Zeit von etwa 6.000 bis 5.000 v.Chr. entdeckt werden. Sie sprechen dafür, dass sich auf dem markanten Moränenhügel das älteste Gräberfeld Deutschlands befindet.
Seit 2019 werden die Forschungen dort fortgesetzt und weitere Entdeckungen untermauern die herausragende Bedeutung der Fundstelle für die Mittelsteinzeit. In dem Vortrag werden die neuen Erkenntnisse „frisch von der Grabung“ vorgestellt und die Bedeutung des Fundplatzes im europäischen Kontext diskutiert.

Die kaiser- bis völkerwanderungszeitliche Besiedlung am Liebenberger See

03.06.2020 18.30 Uhr

Susen Döbel M.sc.

Umfangreiche Spuren einer Siedlung der späten römischen Kaiserzeit bis frühen Völkerwanderungszeit traten bei Ausgrabungen Ende 2018 bis Anfang 2019 östlich des Liebenberger Sees auf dem Fundplatz Kienbaum 7 zu Tage.
Auf der ca. einen Hektar großen Untersuchungsfläche konnten hier 35 teils sehr dicht beieinander liegende Grubenhäuser, mehrere Langhäuser, Speichergebäude und Zaunstrukturen dokumentiert werden. Im Umfeld der aktuellen Untersuchungsfläche wurde zudem bereits mehrfach durch archäologische Untersuchungen eine intensive Siedlungstätigkeit von der Eisenzeit bis zur Völkerwanderungszeit nachgewiesen. Auch Hinweise auf ein Gräberfeld lassen sich den Ortsakten des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege entnehmen. Das geborgene Fundmaterial umfasst unter anderem eisen- bis kaiserzeitliche Keramik, römische Importwaren und ein reichhaltiges Ensemble von Metallfunden wie Messer und Fibeln. Die Auswertung der bisher gewonnenen Daten im Rahmen eines Promotionsprojektes versprechen einen hohen Erkenntnisgewinn zur Entwicklung und Struktur dieser Mikroregion und darüber hinaus zur Siedlungstätigkeit im östlichen Brandenburg während des 1.-5./6. Jahrhunderts n. Chr.
Im Vortrag wird das Siedlungsgebiet beleuchtet, es werden herausragende Funde und Befunde aller Grabungskampagnen präsentiert und die ersten Ergebnisse der aktuellen Forschung dem Publikum vorgelegt.


Vorführung des „Jahresfilm 2019” des Landesamtes für Denkmalpflege Brandenburg

Fr, 19. Juni 2020 – 10 und 16 Uhr

Vorführung des ca. 20-minütigen „Jahresfilm 2019” des Landesamtes für Denkmalpflege Brandenburg und Archäologisches Landesmuseum.
Ein filmischer Überblick über die archäologischen Projekte des vergangenen Jahres.
Jeweils 10 und 16 Uhr im Vortragsraum des Archäologischen Landesmuseums


Vorführung des „Jahresfilm 2019” des Landesamtes für Denkmalpflege Brandenburg

Sa, 20. Juni 2020 – 10 und 16 Uhr

Vorführung des ca. 20-minütigen „Jahresfilm 2019” des Landesamtes für Denkmalpflege Brandenburg und Archäologisches Landesmuseum.
Ein filmischer Überblick über die archäologischen Projekte des vergangenen Jahres.
Jeweils 10 und 16 Uhr im Vortragsraum des Archäologischen Landesmuseums


Vorführung des „Jahresfilm 2019” des Landesamtes für Denkmalpflege Brandenburg

So, 21. Juni 2020 – 10 und 16 Uhr

Vorführung des ca. 20-minütigen „Jahresfilm 2019” des Landesamtes für Denkmalpflege Brandenburg und Archäologisches Landesmuseum.
Ein filmischer Überblick über die archäologischen Projekte des vergangenen Jahres.
Jeweils 10 und 16 Uhr im Vortragsraum des Archäologischen Landesmuseums


Schluss mit grauer Vorzeit – die Archäologie bekennt Farbe!

05.08.2020 18.30 Uhr

Dr. Franziska Knoll

Nein, die Umgebung unserer Vorfahren war nicht sicherlich so eintönig, wie die meisten Freilichtmuseen es vermitteln. Bereits für das Paläolithikum lässt sich eine Vielzahl an Belegen für die Verwendung von Farbe anführen. Leider ist die Überlieferung der Farbbefunde in Mitteleuropa durch Erhaltungsbedingungen stark limitiert. Das mag erklären, weshalb überwiegend mineralische Pigmente, geläufig unter den Begriffen „Rötel“ und „Ocker“, im archäologischen Kontext belegt sind. Dank diverser analytischer Methoden lässt sich der Einsatz von Farbmitteln nicht nur zur Bemalung von keramischen Erzeugnissen, sondern auch von Bauwerken und nicht zuletzt von Körpern nachweisen.
Der Vortrag lädt zu einem Streifzug durch die bunte Vorzeitzeit ein. Im Fokus stehen hierbei Fundkomplexe aus Mitteldeutschland, die vom Schminkstift einer mesolithischen Schamanin über eine bandkeramische Farbwerkstatt bis zu eisenzeitlichen Wandmalereien reichen. Thematisiert werden Farbgewinnung, -verarbeitung und -verwendung und auch die Bedeutung der Farbstoffe im Wandel der Zeiten.


Archäologie und Öffentlichkeit – Mittelaltermarkt, Reenactment, Experimentelle Archäologie – Die Vergangenheit erleben?

03.06.2020 18.30 Uhr

Philipp Roskoschinski, M.A.

Innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte hat sich europaweit eine „Szene" entwickelt, welche Elemente von Archäotechnik und historischer Darstellung bis hin zu anspruchsvoller archäologischer Rekonstruktion miteinander zu einem Hobby oder einer gewerblichen Tätigkeit verbindet. Diese heterogene Szene wird von archäologischen Fachkreisen mit gemischten Gefühlen betrachtet. Es gibt deutschlandweit kaum ein Wochenende, an dem nicht eine Veranstaltung mit archäologischem und/oder historischem Anstrich – vom Vorführen und Rekonstruieren alter Handwerkstechniken und Lebenswelten, über das Nachstellen konkreter historischer Ereignisse bis hin zu sogenannten Mittelaltermärkten – stattfindet.
Doch womit hat man es bei diesen Events und ihren Akteuren zu tun? Inwieweit zeigen solche Veranstaltungen wirklich rekonstruktive Ausschnitte der Vergangenheit auf dem Stand archäologischer Forschung?
Diesen Fragen spürt der Vortrag nach und findet entsprechende Antworten.


Potsdam – eine Stadtgründung im Mittelalter aus archäologischer Sicht

02.12.2020 18.30 Uhr

Dr. Marita Genesis

Seit dem Jahr 2000 werden jährlich archäologische Ausgrabungen in der mittelalterlichen Altstadt der brandenburgischen Landeshauptstadt durchgeführt. Inzwischen sind über 40.000 m² untersucht. Das Mittelalter bildet nur einen Teil der im gesamten Befundaufkommen vertretenen Zeitperioden, aber einen sehr spannenden. Mit Hilfe hölzerner Brunnen, abgebrannter Häuser und verlorener Münzen konnten nun Gründung und Entwicklung Potsdams vom 12. bis zum 15. Jh. nachvollzogen werden.
Wie gestaltete sich das Zusammenleben des ansässigen Slawen mit den deutschen Nachbarn? Woher kamen die neuen Siedler? Wie vollzog sich eine Stadtgründung im hochmittelalterlichen Landesausbau? Neue Aspekte zur Beantwortung dieser Fragen können nun durch archäologische Forschung in Potsdam aufgezeigt werden.