Vorträge zur Archäologie – Archäologie aktuell

Um der Öffentlichkeit einen Einblick in die aktuelle archäologische Forschung und eine Vorstellung von den interessanten prä-/historischen Hinterlassenschaften zu geben, bietet das Archäologische Landesmuseum Brandenburg eine Vortragsreihe an, bei der Experten aus Archäologie, Geschichtswissenschaft und Nachbardisziplinen Neues aus ihren Forschungsprojekten präsentieren. Die Geschichte und Archäologie des Landes Brandenburg stehen im Zentrum dieser Vortragsreihe. Es werden aber auch Themen und Forschungsvorhaben vorgestellt, die über Brandenburgs Grenzen hinaus weisen.

Termin: jeden ersten Mittwoch im Monat
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Eintritt: frei


Zwei Jahrzehnte Archäologie im Kloster Stift zum Heiligengrabe, Lkr. OPR

Mi, 6. Februar 2019 – 18.30 Uhr
Torsten Dressler

Das vor über 700 Jahren gegründete Zisterzienserinnenkloster Heiligengrabe ist eine der schönsten und am besten erhaltenen Klosteranlagen Norddeutschlands. Die archäologisch begleiteten bau- und gartendenkmalpflegerischen Untersuchungen im Zuge der die letzten beiden Jahrzehnte (1998-2018) andauernden Sicherung, Sanierung und Restaurierung des Kloster Stift zum Heiligengrabe boten zahlreiche interessante, teils einmalige und auch geheimnisvolle Einblicke in die Bau- und Nutzungsgeschichte der Klosteranlage. Doch auch überraschende Erkenntnisse zum Totenbrauchtum der Zisterzienserinnen und Stiftsdamen konnten erbracht werden, wie der Fund einer reich geschmückten Säuglingsbestattung unterstreicht. Zudem lieferten die Erdeingriffe erstmals Belege für eine bronzezeitliche Vorbesiedlung des Areals.


Vom Wind verweht. Schichtgräber in der Niederlausitz.

Mi, 6. März 2019 – 18.30 Uhr
Deborah Schulz

Ein spätkaiser- bis völkerwanderungszeitliches Gräberfeld wurde in der Niederlausitz im Vorfeld des Braunkohlentagebaus Jänschwalde ausgegraben und im Rahmen eines mehrjährigen Forschungsprojektes untersucht. Auf dem birituellen Gräberfeld wurden die Toten unverbrannt in Körpergräbern beigesetzt oder auf einem Scheiterhaufen vor Ort verbrannt. Die verbrannten Überreste wurden anschließend in Gruben und Urnen beigesetzt oder als flache Schichtgräber am Ort der Verbrennung belassen. Flache und oberflächlich angelegte Schichtgräber wurden immer wieder von Flugsand überdeckt und somit außergewöhnlich gut erhalten. Diese besonderen Bedingungen ermöglichen es für diese Befundart erstmalig die Bestattungen einzelner Individuen zu differenzieren und eine chronologische Abfolge der Bestattungen festzustellen.


Erfolge und Probleme der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflege am Beispiel des Landes Brandenburg

Mi, 3. April 2019 – 18.30 Uhr
Dr. Thomas Kersting, BLDAM

Die Nutzung des Potentials bürgerlichen Partizipationswillens, einhergehend mit dem Potential der technischen Entwicklung bei Detektorsuche und Verortung (GPS), gekoppelt mit dem rechtlichen Instrument der Nachforschungsgenehmigung (§10 BbgDschG) intensiviert eine flächendeckende Amateur-Forschung. Diese hat, wie heute schon absehbar ist, auch enorme methodische und fachlich-inhaltliche Rückkopplungs-Effekte, die von Denkmalpflege und Forschung erkannt und umgesetzt werden. In seinem Vortrag umreißt Dr. Thomas Kersting die Aufgaben, Ergebnisse aber auch die Schwierigkeiten und Grenzen der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflege.


Befestigung – Gräberfeld – Kultareal

Mi, 8. Mai 2019 – 18.30 Uhr
Dr. Immo Heske

Aktuelle Forschungen am Herrschaftssitz der Bronzezeit bei Watenstedt (Niedersachsen). Am Anfang war die Burg. Mit einer ersten Ausgrabung im Befestigungswall konnte das Alter der Burg ermittelt werden, das bei ungefähr 1000 v.Chr. anzusetzen ist. Was aber dann folgte, sorgte jährlich für Fassungslosigkeit und Kopfschütteln. Geomagnetische Prospektionen, Ausgrabungen und immer wieder das Nachjustieren der Überlegungen. Was mit knapp 2 ha begann, ist bei über 40 ha immer noch nicht greifbar. In der untersuchten Fläche liegen nach bisherigen Erkenntnissen Befestigung, Gräberfeld und Kultareal. Aspekte des Lebens an einem bronzezeitlichen Herrschaftssitz mitten in Deutschland werden im Rahmen des Vortrags von Dr. Immo Heske vorgestellt.


Brandenburg an der Havel – Genese der frühen Städte Brandenburg im 12. - 15. Jahrhundert nach Grabungsergebnissen der jüngsten Zeit

5. Juni 2019
Wolfgang Niemeyer

In letzter Zeit sind „am Rand“ der alten Städte Brandenburgs an der Havel bei Grundstücks- und Straßenraumuntersuchungen häufig Beobachtungen gemacht worden, die nicht nur die zuvor unbekannten vorstädtischen Siedlungsstellen in den Blick gerückt haben, die Größe und Gestalt des vorurbanen mittelalterlichen Weichbilds Zug um Zug verdeutlicht haben, sondern auch den Wandel oder gar Wechsel der Lebenszusammenhänge der Ortsansässigen in Zusammenhang mit dem sich konstituierenden mittelalterlichen Stadtwesen umrissen haben. Gerade in Nähe der Stadtbefestigung liegen Älteres und Jüngeres sich scheidend und ablösend aber auch ineinander übergehend vor. Anhand örtlich gestreuter archäologischer Untersuchungen sollen Aspekte der räumlichen Umstände, des Lebens und Wirtschaftens und der historischen Entwicklung nach den aufgeschlossenen Bodenquellen geschildert werden.


Massengrab von Halberstadt und die Gewalt im Neolithikum

Mi, 3. Juli 2019 – 18.30 Uhr
Christian Meyer

Aus der Endphase der Linienbandkeramik, der jungsteinzeitlichen Kultur der ersten Bauern in Mitteleuropa, sind seit einigen Jahrzehnten Fundorte und menschliche Skelettreste bekannt, die massive und tödliche Gewaltanwendung belegen. Zumeist werden diese Ereignisse als Massaker an sesshaften Siedlungsgemeinschaften gedeutet. Das neu untersuchte Massengrab von Halberstadt unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten von den bisher bekannten Befunden und scheint eine weitere Facette kollektiver Gewalt gegen Ende der Linienbandkeramik zu belegen. Der Osteoarchäologe Christian Meyer widmet sich in seinem Beitrag den Gründen und den Formen jungsteinzeitlicher Gewalt und stellt in diesem Rahmen einen hoch interessanten Befund aus dem benachbarten Sachsen-Anhalt vor.


Säbelzahn und Stubenhocker – Die Katze im archäologischen Befund?

Mi, 7. August 2019 – 18.30 Uhr
Dr. Susanne Hanik, BLDAM

Laut einer Umfrage im Mai 2018 sind Katzen in Deutschland die beliebtesten Haustiere. Dass es auch Wissenswertes und Wissenschaftliches über die beliebten Stubentiger zu berichten gibt, beweist die Archäozoologin Dr. Susanne Hanik in ihrem Vortrag. Ab wann ist die Katze eigentlich in unserem Gebiet nachweisbar und wann wurde sie domestiziert und somit zum Wegbegleiter des Menschen? Was genau ist eine Hauskatze und worin unterscheidet sie sich von der Wildkatze? Schließlich widmen wir uns der Frage, wer Katzen in früheren Zeiten aus welchen Gründen verehrt oder sogar verflucht hat.