Die EUGAL-Gasleitung – Brandenburgs längster Grabungsschnitt

06.11.2019 18.30 Uhr – entfällt!

Aufgrund aktueller Grabungsvorhaben kann der Referent den kommenden Vortragstermin leider nicht wahrnehmen. Der Vortrag wird auf den 04.03.2020 verschoben.

Joachim Stark, BLDAM

Der Bau der Europäischen Gas-Anbindungsleitung – kurz EUGAL – ist ein Großprojekt, das sich über mehrere hundert Kilometer erstreckt und die östliche Bundesrepublik von Nord nach Süd durchläuft. Es ist nicht verwunderlich, dass eine Trasse von derartigen Dimensionen auch auf archäologische Spuren trifft. Ganze 250 bekannte Fundplätze werden von der EUGAL berührt. Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege begleitet dieses Bauvorhaben, um die betroffenen Befunde zu ergraben, zu dokumentieren, zu untersuchen und somit für die Nachwelt zu bewahren. Der Archäologe Joachim Stark wird in seinem Vortrag ausgewählte Grabungsergebnisse vorstellen, die einen spannenden Querschnitt durch Brandenburgs Kulturgeschichte bieten.


Zehn Jahre Rettungsarchäologie in Albanien. Beitrag, Erfahrungen und Ergebnisse von Brandenburger und Berliner Archäologen

Mi, 4.12.2019 – 18.30 Uhr
Prof. Dr. Gjergj Frashëri und Dr. Antonia Schütz

Die Republik Albanien hat 2008 das “Europäische Übereinkommen zum Schutz des archäologischen Erbes”, die sog. “Konvention von Malta” (1992) ratifiziert. Mit dem Inkrafttreten dieses EU-Abkommens änderte sich auch die gesetzliche Grundlage für den Umgang mit Denkmälern und archäologischen Stätten im Land. Eine der bedeutendsten Änderungen war die Umsetzung des “Verursacherprinzips” in der Archäologie, nach welchem öffentliche und private Bauträger die Kosten einer professionellen Rettungsgrabung entsprechend den modernen europäischen Grabungs- und Dokumentationsstandards zu tragen haben.
Als im Januar 2009 neue fachliche Richtlinien des albanischen Kulturministeriums für die Durchführung und Aufarbeitung archäologischer Grabungen in Kraft traten, wurde erstmals auch die Durchführung archäologischer Rettungsgrabungen durch private archäologische Fachfirmen erlaubt. Der Archäologe und Bauhistoriker Gjergj Frashëri, langjähriger Leiter der Berliner Grabungsfirma “Stadt- und Landschaftsarchäologie”, war nicht nur maßgeblich an der Formulierung der Gesetzesgrundlagen und fachlichen Richtlinien für die Rettungsarchäologie in Albanien beteiligt. Er führte seit 2009 zusammen mit seiner Kollegin Antonia Schütz auch mehrere wichtige und ergebnisreiche Rettungsgrabungen in der albanischen Stadt Durrës – dem berühmten Epidamnus/Dyrrachium der Antike – durch.
Im Vortrag sollen einige der wichtigsten Grabungsergebnisse vorgestellt werden, so die Ausgrabung eines illyrisch-römischen Handwerkerviertels, welches inzwischen auch in einer umfangreichen, reich illustrierten Monographie publiziert worden ist (G. Frasheri, Illyrisches Dyrrah, Tirana/Köthen 2015). Zusammen mit den fachlichen Ergebnissen werden aber auch interessante und offene Einblicke in den Arbeitsalltag zweier privater Archäologen geboten, die sich seit nun bereits zehn Jahren nicht entmutigen lassen, mit Idealismus in einem kleinen, fast vergessenen Land im Herzen des antiken Europas arbeiten – auch wenn dessen großer Reichtum an archäologischen Bodenschätzen trotz moderner Denkmalschutzgesetze tagtäglich durch aggressive Bauinteressen und das (Nicht-)Handeln korrupter Mitarbeiter staatlicher Institutionen Stück für Stück undokumentiert vernichtet wird.

Vorträge zur Archäologie – Archäologie aktuell

Um der Öffentlichkeit einen Einblick in die aktuelle archäologische Forschung und eine Vorstellung von den interessanten prähistorischen Hinterlassenschaften zu geben, bietet das Archäologische Landesmuseum Brandenburg eine Vortragsreihe an, bei der Experten aus Archäologie, Geschichtswissenschaft und Nachbardisziplinen Neues aus ihren Forschungsprojekten präsentieren. Die Geschichte und Archäologie des Landes Brandenburg stehen im Zentrum dieser Vortragsreihe. Es werden aber auch Themen und Forschungsvorhaben vorgestellt, die über Brandenburgs Grenzen hinaus weisen.

Termin: jeden ersten Mittwoch im Monat
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Eintritt: frei


„Mehr als nur die Streusandbüchse – Brandenburgs wechselvolle Erdgeschichte in Wort und Bild"

05.02.2020 18.30 Uhr

Dr. Werner Stackebrandt

Die Streusandbüchse ist ein Mythos. Brandenburg ist viel mehr: Wer die Zeichen lesen kann, der findet fast Unglaubliches unter dem märkischen Sand: Vulkanbauten, die fast das ganze Landesgebiet bedeckten, mächtige Sedimentpakete, die von zahlreichen Meeresvorstößen berichten, Reste tropischer Wälder und eine Landschaft, die von Gletschervorstößen und vom Schmelzwasser geprägt wurde.
Der Vortragende hat sich nicht nur jahrzehntelang intensiv mit der Erdgeschichte Brandenburgs beschäftigt, sondern erklärt dessen Entwicklung auch mit aktuellen Beobachtungen aus polaren Regionen unserer Erde. Aufgezeigt wird auch der Reichtum des Landes an Bodenschätzen sowie eine Auswahl von Orten mit besonders instruktiven und besuchenswerten erdgeschichtlichen Aufschlüssen, die nicht nur Ihren Blick für das Verstehen der märkischen Landschaft schärfen werden, sondern auch zu eigenen Exkursionen einladen.


Die EUGAL-Gasleitung – Brandenburgs längster Grabungsschnitt

04.03.2020 18.30 Uhr

Joachim Stark, BLDAM

Der Bau der Europäischen Gas-Anbindungsleitung – kurz EUGAL – ist ein Großprojekt, das sich über mehrere hundert Kilometer erstreckt und die östliche Bundesrepublik von Nord nach Süd durchläuft. Es ist nicht verwunderlich, dass eine Trasse von derartigen Dimensionen auch auf archäologische Spuren trifft. Ganze 250 bekannte Fundplätze werden von der EUGAL berührt. Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege begleitet dieses Bauvorhaben, um die betroffenen Befunde zu ergraben, zu dokumentieren, zu untersuchen und somit für die Nachwelt zu bewahren. Der Archäologe Joachim Stark wird in seinem Vortrag ausgewählte Grabungsergebnisse vorstellen, die einen spannenden Querschnitt durch Brandenburgs Kulturgeschichte bieten.


Groß Fredenwalde 2.0 – Neues von Deutschlands ältestem Gräberfeld in der Uckermark

01.04.2020 18.30 Uhr

Prof. Dr. Thomas Terberger/ Dr. Andreas Kotula

Gräber aus der Zeit der nacheiszeitlichen Jäger-Sammler sind aus Mitteleuropa nur sehr selten überliefert. Eine sensationelle Ausnahme bildet der mittelsteinzeitliche Bestattungsplatz auf dem Weinberg bei Groß Fredenwalde in der Uckermark: 2014 konnten bei Nachforschungen an dem seit 1962 bekannten Fundplatz vier neue Gräber aus der Zeit von etwa 6.000 bis 5.000 v.Chr. entdeckt werden. Sie sprechen dafür, dass sich auf dem markanten Moränenhügel das älteste Gräberfeld Deutschlands befindet.
Seit 2019 werden die Forschungen dort fortgesetzt und weitere Entdeckungen untermauern die herausragende Bedeutung der Fundstelle für die Mittelsteinzeit. In dem Vortrag werden die neuen Erkenntnisse „frisch von der Grabung“ vorgestellt und die Bedeutung des Fundplatzes im europäischen Kontext diskutiert.


Neu entdeckt – Prächtiger Bronzeschmuck aus dem Land Brandenburg

05.05.2020 18.30 Uhr

Prof. Dr. Franz Schopper, BLDAM

In den sogenannten Hohlwulstringen treten uns die wuchtigsten und eindrücklichsten Vertreter spätbronzezeitlichen bzw. früheisenzeitlichen Schmucks entgegen. Nach über einem halben Jahrhundert kamen 2018 und 2019 erstmals wieder derartige Objekte im Rahmen archäologischer Prospektion und Grabungen in den Landkreisen Uckermark und Dahme-Spree zu Tage. Die neuen Stücke sind sehr gut erhalten und ergänzen die im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg ausgestellten Exemplare aus Potsdam-Bornim ganz hervorragend.
Wuchtig wirkend aber hohl, gehören sie zu den hervorragenden Erzeugnissen prähistorischer Bronzeverarbeitung, deren Details es zu analysieren gilt. In ihrer Verbreitung in Skandinavien, Norddeutschland und entlang der polnischen Ostseeküste lassen sich regionale Spezifika der meist in Horten gefundenen Hohlwulstringe herausarbeiten.


Die kaiser- bis völkerwanderungszeitliche Besiedlung am Liebenberger See

03.06.2020 18.30 Uhr

Susen Döbel M.sc.

Umfangreiche Spuren einer Siedlung der späten römischen Kaiserzeit bis frühen Völkerwanderungszeit traten bei Ausgrabungen Ende 2018 bis Anfang 2019 östlich des Liebenberger Sees auf dem Fundplatz Kienbaum 7 zu Tage.
Auf der ca. einen Hektar großen Untersuchungsfläche konnten hier 35 teils sehr dicht beieinander liegende Grubenhäuser, mehrere Langhäuser, Speichergebäude und Zaunstrukturen dokumentiert werden. Im Umfeld der aktuellen Untersuchungsfläche wurde zudem bereits mehrfach durch archäologische Untersuchungen eine intensive Siedlungstätigkeit von der Eisenzeit bis zur Völkerwanderungszeit nachgewiesen. Auch Hinweise auf ein Gräberfeld lassen sich den Ortsakten des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege entnehmen. Das geborgene Fundmaterial umfasst unter anderem eisen- bis kaiserzeitliche Keramik, römische Importwaren und ein reichhaltiges Ensemble von Metallfunden wie Messer und Fibeln. Die Auswertung der bisher gewonnenen Daten im Rahmen eines Promotionsprojektes versprechen einen hohen Erkenntnisgewinn zur Entwicklung und Struktur dieser Mikroregion und darüber hinaus zur Siedlungstätigkeit im östlichen Brandenburg während des 1.-5./6. Jahrhunderts n. Chr.
Im Vortrag wird das Siedlungsgebiet beleuchtet, es werden herausragende Funde und Befunde aller Grabungskampagnen präsentiert und die ersten Ergebnisse der aktuellen Forschung dem Publikum vorgelegt.