17.-18. Juli und 14.-15. August 2021

Das Mittelalter ist nach wie vor eine Epoche, die Interesse und Sehnsüchte zu wecken vermag. In unzähligen Spielfilmen, Romanen und Fernsehdokumentationen ist die Zeit zwischen 500 und 1500 nach Christus vorgestellt und behandelt worden. Ganze Musiksparten und Veranstaltungsformate widmen sich mittelalterlicher Lebenskultur, vermischen dabei nicht selten Fantasie mit historischer Realität – und machen richtig Spaß.
Natürlich ist das Mittelalter auch Gegenstand wissenschaftlicher Forschung, welche immer wieder spannende Ergebnisse zutage fördert. Auch das Archäologische Landesmuseum Brandenburg lässt es sich nicht nehmen, und widmet sich an zwei Sommerwochenenden bewehrten Herren, adligen Damen und aufstrebenden Bürgern.
Unter dem Motto „Ritter, Minne, Tafelfreuden“ bieten Akteure an zwei Terminen unter freiem Himmel verschiedene Einblicke in die höfisch-ritterliche Welt des Hochmittelalters sowie in das Leben von vermögenden Bürgern und Kriegsknechten des ausgehenden Mittelalters.
Speisen und Getränke werden in diesem Jahr nicht auf dem Museumsgelände verkauft. Stattdessen bietet das Museumscafé Pauline leckere Speisen und Snacks sowie Erfrischungen.
Voraussetzung für eine Teilnahme an beiden Veranstaltungen ist die Einhaltung der jeweiligen, zum Zeitpunkt der Veranstaltung gültigen Vorschriften zur Eindämmung von COVID-19. Wir halten Sie hierzu auf dem Laufenden.
Aufgrund der begrenzten Platzkapazitäten und der damit einhergehenden Einhaltung der Abstandsregeln, möchten wir Sie bitten, sich im Vorfeld telefonisch für eines der drei vorgegebenen Zeitfenster anzumelden: Anmeldung unter: 03381/410 4112
10.00 – 12.00 Uhr
12.30 – 14.30 Uhr
15.00 – 17.00 Uhr

17.-18.07.2021 von 10 – 17 Uhr Thema: Mode, Minne, Tafelfreuden

Am ersten Wochenende widmen sich die Darsteller*innen aus den Bereichen Living History, Reenactment, Archäotechnik und Kunst vorranging den schönen und wohlschmeckenden Seiten des Lebens. So lernt man Wissenswertes über das höfische Leben im hohen Mittelalter und blickt dabei in die Handarbeitsstuben und Kleiderschränke jener Zeit. Auch Erklärungen zur höfischen Reiterei, gehören zum Programm. Nicht fehlen darf natürlich die Kunst des Minnesangs, welche nicht nur erläutert, sondern auch live erlebbar sein wird. Genussvoll geht es zu beim Thema Tafelfreuden im hohen und späten Mittelalter. Erfahren Sie welche Zutaten, Speisen und Tischsitten bei Adel und wohlhabendem Bürgertum üblich waren.

14.-15.08.2021 von 10 – 17 Uhr Thema: Ritter, Schwert und Stangenbüchse Am zweiten Wochenende thematisieren die Darsteller*innen aus den Bereichen Living History, Reenactment, Archäotechnik und Anthropologie die kämpferischen Aspekte des mittelalterlichen Lebens. Vermittelt wird die Entwicklung vom frühmittelalterlichen Gefolgschaftsherren bis zum klassischen Ritter. Auch Kriegsknechte, die das Ende der Ritter-Ära einläuteten, stellen sich und ihren Kampf- und Belagerungstaktiken vor. Natürlich wird auch das Handwerk des Plattners, welcher die metallenen Rüstungen kunstvoll fertigte, vorgestellt.
Vorführungen verschiedener Rüstungen, Waffen und Instrumente vom frühen bis zum ausgehenden Mittelalter sind die Highlights an diesen Tagen. Besucher*innen erfahren auch, welche Verletzungsmuster die kriegerischen Auseinandersetzungen am menschlichen Skelett hinterließen.

Öffnungszeiten: an beiden Wochenenden jeweils von 10 – 17 Uhr Ort: Archäologisches Landesmuseum Brandenburg
Eintritt: 5 € | erm. 3,50 € | Familien 10 € | Kinder unter 10 Jahren frei


Dr. Bettina Jungklaus

Auch aus archäologischer und anthropologischer Sicht haben mittelalterliche Waffen und ihr Einsatz unübersehbare Spuren hinterlassen.
Die Anthropologin Dr. Bettina Jungklaus zeigt und erläutert an originalen Knochenfunden aus dem Land Brandenburg, was wir an den verheilten und unverheilten Kampfverletzungen ablesen können. Ein hochinteressanter und zuweilen bedrückender Rückblick auf bewaffnete Konflikte im Mittelalter und deren Mitwirkende.

Foto: BLDAM/Schneider

Jürgen Heinritz

Jürgen Heinritz entführt uns in das ausgehende 6. Jahrhunder n. Chr. und somit in das Frühmittelalter. Seine Darstellung orientiert sich vornehmlich an dem berühmten „Sängergrab" von Trossingen, greift aber auch Elemente aus dem fränkischen Reitergrab von Klepsau 6 auf.
Mit einer hochwertigen Ausstattung und viel Fachwissen bietet Jürgen Heinritz einen Einblick in die Lebenswelt eines wohlhabenden alamannischen Gefolgschaftsherren.


Lisa Kyre

Das Pferd war ein enorm wichtiger Faktor in der hochmittelalterlichen Lebenswelt. Ganz besonders der niedere und hohe Adel pflegte ein intensives, alltägliches Verhältnis zu Pferden, ob zur Fortbewegung, Repräsentation oder Kriegsführung. Doch was leisteten und beherrschten die Pferde und wie waren die Tiere in den Alltag eingebunden? Wie und dank welcher Informationen können wir heute die Lebenswelt der stolzen Vierbeiner rekonstruieren?
Das Display von Lisa Kyre und Ihren Mitstreitern befasst sich mit diesen Fragen. Hierbei werden schriftliche und archäologische Quellen zur Welt der Pferde im 13. Jahrhundert thematisiert. Auch Rekonstruktionen von Funden und Darstellungen werden gezeigt und besprochen.

© Lisa Kyre

Markus Gruner

Markus Gruner aus Chemnitz ist ein altbekannter Gast im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg. Der Künstler und Archäotechniker wird am ersten Wochenende des Mittelaltersommers das glänzende Handwerk der Bronzeblechbearbeitung vorführen und erläutern.
Wer schon immer wissen wollte, wie man eine Münze prägt, wie Markgraf Otto I. in Bronzeblech verewigt aussieht, oder wer beim Treiben einer Fibel zuschauen möchte, dem sei ein Besuch unseres Mittelaltersommers dringend empfohlen.

© Markus Gruner

Akteure beim Mittelaltersommer


Andrej Pfeiffer-Perkuhn vom Geschichtsfenster – 14.-15.08.2021 –

Ritter: Ritter ist bis heute ein Wort das ganze Bilderwelten in den Köpfen entstehen lässt. Zwischen dem derben Raubritter und dem strahlenden Verteidiger der Witwen und Waisen gibt es ein enormes Spektrum an Vorstellungen.
Was der Ritter des 15. Jahrhunderts überhaupt war, wie seine Rüstung aussah und ob er wirklich nur ein schepperndes Relikt früherer Zeiten war, kann man im Zelt unseres Ritters erfahren und Geschichte im Wortsinn begreifen.


ATZ Welzow

Als Stammgast im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg darf das ATZ Welzow natürlich nicht bei unserem Mittelaltersommer fehlen.
Der archäotechnische Beitrag in diesem Jahr steht unter dem passenden Motto „Vom Draht zum Ring". Hierbei erfahren Besucher:innen Wissenswertes über das heute kaum noch bekannte Handwerk des Sarwürkers.
Vor Ort kann man bestaunen, wie – Ring für Ring – das Ausgangsmaterial für eine so genannte Kettenrüstung entsteht.


Christian Wiedner

Christian Wiedner bringt den Besucher:innen das beinah vergessene Plattnerhandwerk näher.
Sollte im Mittelalter – und darüber hinaus – eine metallene Plattenrüstung hergestellt oder ausgebessert werden, so wurde ein Plattner mit der Arbeit beauftragt.
An seinem Stand zeigt und erläutert der Christian Wiedner Rüstungsteile in verschiedenen Fertigungszuständen und aus verschiedenen Epochen. Auch das Plattnerwerkzeug und sein jeweiliger Einsatz werden an beiden Tagen thematisiert.


Ankündigung Kurfürstlich Sächsische Kriegsknechte 1475

Die „Kurfürstlich Sächsischen Kriegsknechte 1475" sind ein Living-History-Projekt zur Darstellung einer militärischen Einheit im späten 15. Jahrhundert.
Den historischen Rahmen bildet die gemeinsame Regierungszeit der Brüder Ernst und Albrecht von Sachsen. Ziel der Gruppe ist es, Alltagsleben, Kleidung und Sachkultur sowie verschiedene Bereiche des Militärwesens des späten 15. Jahrhunderts in einer möglichst hohen Qualität zu rekonstruieren. Hierbei werden vorrangig, sofern möglich, regionale Quellen wie Inkunabeln, museale Exponate, Ausgrabungsfunde, aber auch Tafel- und Altarbilder genutzt.
Täglich zwischen 15- und 16 Uhr wird es im Klostergarten übrigens laut. Dann bieten Mitglieder der Gruppe eine Vorführung zur spätmittelalterlichen Wehrtechnik. Neugier und Ohrenstöpsel sind mitzubringen, und sich natürlich für das dementsprechende Zeitfenster anzumelden (15-17 Uhr).


IG Wolf e.V.

Wir freuen uns sehr, dass wir für den Mittelaltersommer die hochkarätige Interessengemeinschaft zur historischen Nachempfindung des hohen Mittelalters e.V. gewinnen konnten. Die europaweit agierende Gruppe hat sich ganz der facettenreichen und quellenbasierten Darstellung von Alltag und Kultur des Hochmittelalters verschrieben.
An diesem Wochenende wird der Schwerpunkt Ihrer Präsentation auf der höfischen Kultur liegen, zu welcher auch die hochmittelalterliche Tischkultur gehört.
Wer schon immer wissen wollte, sich der Adel des 12. Jahrhunderts kleidete, speiste und den Alltag verbrachte, dem sei ein Besuch beim ersten Teil unseres Mittelaltersommers unbedingt ans Herz gelegt.


Andrej Pfeiffer-Perkuhn

Ausgehend von den Höfen des Adels verbreitete sich im Spätmittelalter eine Tischkultur in den Stuben der Bürger und Niederadligen, die sich tatsächlich unserer heutigen Tischkultur deutlich unterscheidet.
Anhand von Funden und Abbildungen zeigt Andrej Pfeiffer-Perkuhn vom Geschichtsfenster in einem komplett eingerichteten Zelt das ganze Thema vom einfachen Brei bis zur hohen Tafel und von der Daubenschale bis zum silbernen Klapplöffel.

© Pfeiffer-Perkuhn

Musiktheater Dingo e.V. & Musikwissenschaftler Dr. Lothar Jahn

Natürlich dürfen bei unserem Mittelaltersommer Musik und Gesang nicht fehlen. Zu diesem Zweck haben wir die Sängerinnen und Spielleute des Musiktheaters Dingo e.V. sowie den Musikwissenschaftler Dr. Lothar Jahn eingeladen.
Ganztägig vermitteln die Mitwirkenden Wissenswertes über den Minnesang, die Musikstars des hohen Mittelalters und historische Instrumente.
Am 17. und 18.07. werden die Musiker:innen zudem eine kurze Reise durch die Geschichte des Minnesangs in zwei halbstündigen Programmen vorstellen.
Eine Anmeldung für die jeweiligen Zeitfenster empfiehlt sich, da die Platzkapazitäten beschränkt sind. Telefonische Anmeldung unter: 03381-410 41 12

11 Uhr bis 11.30 Uhr (entspricht Zeitfenster 1 von 10-12 Uhr)
Der erste Programmteil schildert die Ursprünge des Minnesangs am Anfang des 12. Jahrhunderts am Hofe des "ersten Minnesängers" Wilhelm IX. von Aquitanien. Der Hof blieb der Förderung dieser Kunst verpflichtet, auch seine Enkelin Eleonore, Mutter von Richard Löwenherz, die als Königin der Trobadore gilt. Um 1250 entwickelt sich der Minnesang auch in Deutschland, erst in der Donauregion, später im Rheinischen. Dietmar von Aist, der Kürenberger, Reinmar von Hagenau und dann der bekannteste deutsche Minnesänger, Walther von der Vogelweide werden vorgestellt.

15.15 Uhr bis 15.45 Uhr (entspricht Zeitfenster 3 von 15-17 Uhr)
Im zweiten Programmteil steht der deutsche Minnesang des 13. Jahrhunderts im Mittelpunkt mit den Namen Neidhart, Wizlaw von Rügen, dem Tannhäuser und Ulrich von Liechtenstein. Die Akteure stellen auch Auszüge aus dem "Frauenbuch" Liechtensteins vor, in dem es um den Geschlechterkrieg zu Ritterszeiten geht. Das Programm klingt aus mit dem Nachzügler Oswald von Wolkenstein, dem "letzten Minnesänger" und der "Minnesängerin Gottes" Mechthild von Magdeburg.